Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 690

Wataturu (Selbstbenennung Tatoga; W. ist die in die Literatur übergegangene Benennung seitens der umwohnenden Völker), hamitonilotischer Völkerstamm in verschiedenen Teilen Deutsch - Ostafrikas im Südosten des Victoria Njansa. Nach O. Baumann teilen sich die W. in die drei Stämme der Brariga, Bajuta und Simitjek, von denen die beiden ersten als voll gelten, während die Simitjek (von den Bantu Wanonega genannt), die eine besondere Sprache reden und sich von Jagd und Fischfang nähren, als Paria angesehen werden. Wohngebiet aller drei Stämme war ursprünglich das weite Land zwischen dem Victoria- und dem Ejassisee, doch waren besonders die Bajuta gefürchtete Viehräuber bis nach Ussandaui und Ugogo hinunter. Durch die Massai - Einbrüche kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts (s. Massai) wurden die W. in mehreren Zusammenstößen geschlagen und bis nach Unjamwesi und Ussongo versprengt. Die Besten sitzen jetzt in der Zahl von ca. 20 000 Mann in Iraku, und in geringerer Anzahl auf der Insel Ukerewe und in Ugogo. - Physisch stehen die W. den Massai (s.d.) nahe, zu denen sie ja auch genetisch gehören. Nur das Schlitzauge fehlt ihnen. Die Weiber sind weit negerhafter als die Männer. Die Kleidung dieser letzteren bestand aus spitzenartig durchbrochenem Lederüberwurf und einem Bastgürtel um die Hüfte: In der Wohnweise haben die W. sich stets den Völkern angepaßt, in deren Bereich sie wohnten; sie leben teils in Temben, teils in zylindrischen Kegeldachhütten. An die Stelle der früheren ungeheuren Rinderherden sind neuerdings solche aus Ziegen und Schafen getreten, an die Stelle der alten Nahrungsmittel Milch und Fleisch Sorghum, Mais und Bataten, die die W. im neu aufgenommenen Feldbau selbst erzeugen. Auch im Charakter sind sie weit milder und zugänglicher geworden als früher; sie sind jetzt harmlos und friedlich.

Literatur: Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894. - Kannenberg, Reise durch die hamitischen Sprachgebiete um Kondoa. Kitt. a. d. d. Schutzgeb. 1900. - Merker, Die Massai. Berl. 1904, 2. Aufl. 1910.

Weule.