Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 688 f.

Wassindscha, Wasindscha, Wassindja, die Bevölkerung der am westlichen Südufer des Victoria Njansa, um den Emin - Golf gelegenen Landschaft Usindscha (s.d.) in Deutsch- Ostafrika. Die W. sind stark mit Hamiten durchsetzte Bantu, während ihre Herrschergeschlechter noch als fast reine Wahuma (Wahinda, s.d.) erscheinen. Im allgemeinen sind die W. ein mittelgroßer, kräftiger und wohlgebildeter Menschenschlag. Ihre ursprüngliche Kleidung, die auf Ukerewe noch bis vor kurzem getragen wurde, war ein Ziegenfell, das von der einen Schulter herabhing. Hauptschmuck sind die sog. Madodi, feine Ringe aus Darmsaiten, die mit Draht übersponnen sind und zu vielen Hunderten an den Fußknöcheln getragen werden. Die W. sind sehr intelligent; durch ihren Handelsverkehr mit eisernen Feldhackenblättern (jembe, Tafel 40 Abb. 9) haben sie früher große Werte in Gestalt von Zeugstoffen ins Land gebracht. Wohnform ist die Kuppelhütte mit Gras- oder Laubbedeckung und mit einem Vordach über dem Eingang. Die Dörfer sind meist klein und von dichten Euphorbienhecken oder Dornengeäst oder Pfahlzäunen umgeben. Außerhalb der Dörfer standen in früheren Zeiten die zahlreichen Schmiedewerkstätten des Landes, in denen die Warongo, in denen Baumann die Nachkommen einer Schmiedekaste der Wahinda sieht, die vielen Hackenblätter, Speer- und Pfeilklingen herstellten, die weit über das Zentralplateau verhandelt wurden. Der alte Schild der W. besteht aus einer etwas gewölbten Planke von Ambatschholz (Herminiera elaphroxylon), wie sie auch auf Ukerewe gebraucht werden (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 12). Hauptbeschäftigung ist der Ackerbau, den man durch Bewässern der Felder mit Seewasser zu fördern sucht. Aus Bananen bereitet man einen süßlichen, erfrischenden Wein. Honig wird in großen Massen gewonnen. Die Boote der W. sind ebenfalls aus Planken zusammengenäht, doch weniger seetüchtig als diejenigen der Waheia (s.d.) und Waganda (s.d.). Früher ein einheitliches Reich, zerfällt Usindscha gegenwärtig in viele Gaustaaten, unter denen Ussuwi der ansehnlichste. ist. Dann folgen Westussuwi (Ujogoma), Ukerewe und Ruomas - (Ruatikwas-) Land.

Literatur: Kollmann, Der Nordwesten unserer ostafrikanischen Kolonie. Berl. 1898. O. Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894. - Pater Schynses letzte Reisen. Briefe und Tagebuchblätter. Herausgegeben von Hespers. Köln 1892. - Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berl. 1894.

Weule.