Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 684 f.

Wassererschließung, das Aufsuchen von Wasser im Untergrunde, in der Regel mit Hilfe von Brunnen (s.d.). Die W. spielt eine bedeutsame Rolle in niederschlagsarmen Gebieten, die Mangel an Wasserläufen haben. In den deutschen Schutzgebieten besteht das Bedürfnis nach W. in hohem Maße in Deutsch-Südwestafrika, ferner in den Steppengebieten Deutsch-Ostafrikas und in dem Küstengürtel Togos. - Deutsch -Südwestafrika hat überhaupt keine dauernd fließenden Wasserläufe. In den Trockenbetten - den sog. Flußrivieren - und auf den zugehörigen Schwemmlandstreifen ist Grundwasser noch verhäftnismäßig leicht in flachen Brunnen zu gewinnen. Außerhalb der Riviere (s.d.) aber steht das Grundwasser meist in hartem Gestein und so tief an, daß Bohrarbeiten mit kräftigem Bohrgerät notwendig sind. Das Gouvernempnt hat für solche Arbeiten 2 Bohrkolonnen, die Kolonne Nord mit dem Sitz in Windhuk, und die Kolonne Süd mit dem Sitz in Kuibis, gegründet, denen die Aufgabe zufällt, W.arbeiten an den öffentlichen Wegen und auf fiskalischem Gelände, daneben aber auch gegen gewisse Vergütungen auf Privatgrundstücken auszuführen. Beide Kolonnen zusammen haben ungefähr 15 kräftige, größtenteils Mit Motor angetriebene Bohreinrichtungen. Der Arbeitsplan der Kolonnen wird vom Gouvernement nach Anhörung der Bezirksverbände festgesetzt; im übrigen wird der Dienst von den Leitern der Kolonnen (Bohrinspektoren) geregelt. Die einzelnen Bohrgeräte mit den zugehörigen Fuhrparks und der Eingeborenenmannschaft bilden einen Bohrtrupp, der einem europäischen Bohrmeister untersteht. Letzterem ist meist noch ein europäischer Gehilfe beigegeben. Über die Leistungen der beiden Bohrkolonnen s. Tabelle S. 685.

Bei der Trockenheit Deutsch-Südwestafrikas ist es für die W. von Wert, von dem niedergehenden Regenwasser möglichst große Mengen zum Versickern zu bringen und im Boden zurückzuhalten, damit der Grundwasserstand eine befriedigende Höhe behält. Diesem Zwecke dienen die bisher allerdings wenig ausgeführten Untergrundsperren; das sind meist aus Ton hergestellte, quer durch Flußbetten mit sandigem Untergrund gezogene Abschlußwände, die den langsam talwärts sich bewegenden Grundwasserstrom hemmen und aufstauen. Ergänzt und verstärkt wird die Wirkung solcher Untergrundsperren dadurch, daß über ihnen in dem Flußbett Steindämme aufgeworfen werden. In größerem Umfang sind derartige Anlagen für das Fischflußgebiet geplant, wo sie gleichzeitig der Festlegung der Geschiebe dienen sollen. Ein weiteres Mittel, das Regenwasser dem Untergrunde zuzuführen, bilden niedrige kleine Erddämme oder wagerecht angelegte Gräben mit Versickerungslöchern in Talmulden oder an flachen Hängen, bisher aber auch erst wenig angewendet. - In den weiten Steppengebieten Deutsch-Ostafrikas fehlt es ebenfalls an dauernd fließenden Wasserläufen, und zum Aufsuchen des Grundwassers sind auch hier in der Regel kräftige Bohrgeräte notw endig. Im größeren Maßstabe sind in Ostafrika W.arbeiten außer bei den Bahnbauten noch nicht ausgeführt. Es ist eine Bohrkolonne gebildet worden, die hauptsächlich an den großen Verkehrsstraßen arbeiten soll. - In Togo leidet der Küstengürtel in der Trockenzeit an Wassermangel. Da der Untergrund aus hartem, wenig Wasser aufnehmendem Laterit besteht, ist Grundwasser schwer zu finden. Die W. hat sich, abgesehen von einigen Bohrungen an den Bahnen, bisher darauf beschränkt, Brunnenlöcher in den Untergrund hineinzuarbeiten, in denen sich, wenn sie sandhaltige Schichten treffen, etwas Wasser sammelt. Die Eingeborenen besitzen im Herstellen solcher Brunnenlöcher eine große Fertigkeit; sie erreichen damit Tiefen von 30 m und mehr. S.a. Wasserversorgung u. Künstliche Bewässerung.

Fischer.