Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 682 f.

Wassegedju, Wassegeju, historisch berühmter Bantustamm in Äquatorial-Ostafrika. Die W. sitzen in dem Küstenstrich zwischen Tanga und Gasi auf etlichen Küsteninseln, in einigen Niederlassungen südlich von Tanga und in Buiti am Ostfuße des Usambaragebirges in Deutsch-Ostafrika. Sie zerfallen in die beiden Gruppen der Makamadi und der Waboma. Die W. werden bereits 1589 ab Hilfstruppen der Portugiesen bei der Verteidigung von Malindi gegen die Wasimba (s.d.) unter dem Namen Mossegejo erwähnt; sie wohnten damals bei Malindi. 1592 eroberten sie als Hilfstruppen der Portugiesen Mombas. 1640 waren sie so mächtig, daß die Portugiesen ihnen Tribut zahlten. Dann verschwinden sie in der Geschichte bis in die Neuzeit hinein. Nach ihrer Tradition stammen sie weit aus dem Innern, aus Kirao, nördlich vom Kenia. Von dort ist nach Baumann der Auszug in zwei Säulen vor sich gegangen, von denen die Makamadi direkt in ihre heutigen Sitze gezogen seien, während die Vorfahren der Waboma sich bei Malindi festsetzten. Durch das Drängen der Galla seien sie dann südwärts bis Buiti und der Tangaküste gewandert. Nach ihrem Hauptort Boma heißen sie Waboma. Beide Gruppen leben im übrigen seit Jahrhunderten in bitterer Feindschaft. Die reine W.sprache hat sich nur in Buiti erhalten; überall sonst sind die W. suahelisiert. Alle sind Moslim. -Nach G. A. Fischer leben W. auch in der Landschaft Sonjo, westlich vom Natronsee, nordwestlich vom Kilimandscharo. Diese W. sollen vor langer Zeit infolge einer Hungersnot von Tanga aus nach dem Innern gewandert sein. Sie sprechen heute Massai. Nach O. Neumann endlich sitzen W. auch in der Landschaft Ngoroine am untern Mara, östlich vom Victoria Njansa.

Literatur: Guillain, Documents, sur l'histoire, la géographie etc. Paris 1856. - G. A. Fischer, Mitt. d. Geogr. Ges. Hamb. 1884185. - O. Neumann, Ber. über s. Reisen in Ostafrika. Verb. d. Berl. Ges. f. Erdk. 1895. - O. Baumann, Usambara und seine Nachbargebiete. Berl. 1891.

Weule.