Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 682

Wassangu, Bassangu, Basango, Bantuvölkerschaft im Süden von Deutsch-Ostafrika, westlich und nordwestlich von den Wahehe (s.d.) und entlang dem großen Ruaha, sowie der Grabensohle des Mpangali. Von ihrem Wohnsitz in den Steppen des Ruaha heißen die W. auch Warori, d.h. Steppenleute. 1907 wurde ihre Zahl auf 30 000 geschätzt. - Die W. sind sorgsame Ackerbauer, doch haben sie sich neuerdings auch wieder stark der Rinderzucht zugewandt. Auch in allen übrigen Zügen gleichen sie den Wahehe, indem sie wie diese in großen, 4 - 500 Einwohner zählenden Tembenstädten wohnen (die frühere Residenz Utengule am Mbegaberg zählte sogar 2000 Einwohner), Tracht und Bewaffnung der Wangoni (s.d.) angenommen haben und auch eine politische Vergangenheit besitzen. Ihre politische Zusammenschweißung beginnt noch vor der der Wahehe, indem sie schon um die Mitte des 19. Jahrh. unter ihrem Fürsten Muigumbu die Länder bis zur großen Karawanenstraße beherrschten. Die späteren Fürsten führen alle den Namen Merere, deren Hauptstadt je den Namen Utengule. Der erste Merere vermochte sich ohne große Anstrengung selbst der von Süden herandrängenden Wangoni zu erwehren. Erst das Erstarken der benachbarten Wahehe gefährdete die Stellung der W., die sich nach mehrfachen Kriegen (1869/74, 1875/76, 1877) im letztgenannten Jahr in das im Südwesten gelegene Usafua, zurückziehen mußten. Erst 1898 sind sie durch die Deutschen in ihr altes Gebiet zurückversetzt worden, wo ihr gegenwärtiger Merere in einem riesenhaften, neuen Utengule am Mhambibach residiert.

Literatur: Burton, The Iake regions of Central Africa. Lond. 1860. - Elton, Travels and researches among the Iakes and mountains of Eastern and Central Africa. -Lond. 1879. Merensky, Deutsche Arbeit am Njassa. Berl. 1894. - Fülleborn, Das deutsche Njassa- und Ruwumagebiet. Berl. 1906.

Weule.