Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 682

Wassandaui, Wasandaue, Völkerschaft im abflußlosen Steppengebiet des zentralen Deutsch-Ostafrika, nördlich von Ugogo. Die W. sind sicher keine Bantu. Über ihre wirkliche Rassenstellung gibt weniger der schwankende, vom Negerhaften über das Hamitische bis zum schief geschlitzten Auge des Hottentotten spielende Habitus als die Sprache Aufschluß. Sie weicht von allen benachbarten Idiomen ab und ist reich an Schnalzlauten, wie die der Buschmänner (s.d.) und Hottentotten (s.d.) und der Wanege (s.d.) und Wahi (s.d.). Besonders aus sprachlichen Gründen hält man die W. denn auch für Verwandte der hellfarbigen Südafrikaner und für Beste einer afrikanischen Urrasse. Gestützt wird diese Ansicht durch die Tradition der W., die seit jeher im Lande gesessen haben wollen. Die Größenverhältnisse der W. sind ebenso verschieden wie die der Batua (s.d); neben Normalfiuren gibt es auch untermittelgroße, ohne daß jedoch wirklicher Zwergwuchs beobachtet worden wäre. Die Hautfarbe schwankt von hellrotbraun, bis kupferrot. - Wohnform der W. ist die im Innern etwas vertiefte offene Tembe (s.d.) wie bei den Wanjaturu (s.d.), in deren Innern riesige Kornbehälter (vidonge) stehen. Auch Kleidung und Schmuck sind wie bei den Wanjaturu, desgleichen die Veranstaltung von Stockkämpfen. Die Pfeile sind stark vergiftet. In der Viehzucht walten Ziege, Schaf, Esel und Huhn vor dem Rinde vor. Die Bienenzucht steht in hoher Blüte. Auch eifrige Ackerbauer sind die W., deren Felder sich stundenlang hinziehen.

Literatur: O. Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894. - Fonck, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1894. - Werther, Die mittleren Hochländer des nördlichen Deutsch-Ostafrika. Berl. 1898.

Weule.