Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 680

Waschambaa, oft, wenn auch fälschlich, Wasambara genannt, der Hauptbevölkerungsbestandteil der an der Nordostgrenze von Deutsch-Ostafrika gelegenen Landschaft Usambara. Die W. sind nach O. Baumann zweifellos aus dem Süden eingewandert und mit den Wasegua (s.d.) nahe verwandt, ja vielleicht gar mit ihnen eines Ursprungs. Die Sprache der W. ist nur ein Dialekt des Kisegua. Andererseits muß die Trennung der beiden Völker sehr weit zurückliegen, denn die W. haben sich inzwischen zu einer besonderen ethnischen Einheit entwickelt. Sie bewohnen ganz Usambara mit Ausnahme der von den Wapare (s.d.) und Wambugu (s.d.) besetzten Distrikte. Außerhalb des Landes gibt es W. am Pangani, am Mafiberg und am Ostfuß des Paregebirges. Körperlich sind die W. der Typus kräftiger, zäher Bergbewohner. Die beiden mittleren oberen Schneidezähne werden ausgekerbt; in den nördlichen Distrikten schärft man nach Pareart alle spitz zu. Die alte Kleidung bestand aus feinem Lederzeug; heute sind der Fes, die weiße Kofia und die bunte Jumbenmütze der Küste gang und gäbe. Die Dörfer der W. liegen ausnahmslos auf hohen, beherrschenden Punkten; sie bestehen aus 10 bis 200 zylindrischen Kegeldachhütten mit Mittelpfeiler. Die Felder hingegen liegen auf weniger abschüssigen Abhängen und in den Talmulden, wo man vor allem Bohnen, Maniok, Tabak und Bananen baut. Der Ertrag der Zuckerrohrfelder wird zu einem berauschenden Getränk umgewandelt. Im trockenen Nord - Usambara hat man seine Zuflucht zu künstlicher Berieselung nehmen müssen. Neben dem Feldbau treiben die W. auch einige Viehzucht und sammeln Honig. Alle Erzeugnisse wurden früher von den W. selbst an die Küste verhandelt; heute lenken indische und Suahelihändler den Verkehr nach der Usambarabahn ab.

Literatur: O. Baumann, Usambara und seine Nachbargebiete. Berl. 1891. - Ders., In Deutsch -Ostafrika während des Aufstandes. Wien 1890. - Storch, Sitten, Gebräuche u. Rechtspflege bei den Bewohnern Usambaras und Pares. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1895. - Holst, Die Kulturen der Waschambaa. DKolZtg. 1893.

Weule.