Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 680

Wasaramo, der Hauptteil der Bevölkerung der im südlichen Hinterland von Daresalam gelegenen Landschaft Usaraimo in Deutsch-Ostafrika. Die W. sind Bantu, die nach Stuhlmann mit den Wakhutu (s.d.) verwandt zu sein scheinen, doch weichen sie in vielen Sitten von den übrigen küstennahen Stämmen, mit denen sie im Habitus sehr übereinstimmen, auffällig ab. Zunächst wohnen sie in großen, scheunenartigen, viereckigen Giebeldachhütten; sodann beerdigen sie ihre Toten in ganz unafrikanischer Weise, indem sie die Leiche ausstrecken, wobei die Männer auf die rechte, die Frauen auf die linke Seite gelegt werden. Der Kopf ist nach Westen gerichtet. Das Grab umfriedet man mit Pfählen, die von einem freistehenden Dach überragt werden. Zu Füßen der Leiche wird ein Pfahl, zu Häupten eine große Holzpuppe eingepflanzt, deren Kopf mit einem weißen Turban umwickelt wird. Stuhlmann ist der Meinung, daß die W. vor langer Zeit einmal indisch - semitisch beeinflußt worden seien. - Bemerkenswert ist auch der Pubertätsgebrauch, wonach die jungen Mädchen von der ersten Menstruation bis zur Geburt des ersten Kindes eine kleine weibliche Holzpuppe (mwana ya kiti, Stuhlkind, Farbige Tafel von Deutsch - Ostafrika Abb. 6) zum Spielen bekommen, offenbar ein Analogiezauber für die Fruchtbarkeit. In dieser Zeit, bis zur Heirat, muß das Mädchen in einer dunklen Hütte leben. Politisch sind die W. äußerst zersplittert, so daß sie den Wangoni - Einfällen völlig wehrlos gegenüber gestanden haben. Dadurch und durch den stark herrschenden Kindesmord, durch Pockenepidemien und Hungersnöte, ist ihre Zahl recht herabgemindert, so daß das Land nur relativ dünn bevölkert ist. Feldbau ist Hauptbeschäftigung, der indische Mangobaum Charakterpflanze in der Landschaft. Viele W. bekennen sich zum Islam, der bei ihnen reißende Fortschritte macht.

Literatur: Stuhlmann, Forschungsreise nach Usaramo. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1894.

Weule.