Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 678 f.

Warundi, die Bevölkerung der am nördlichen Ostufer des Tanganjika gelegenen Landschaft Urundi in Deutsch-Ostafrika. Wie im ganzen übrigen Zwischenseengebiet liegen auch hier drei verschieden alte Bevölkerungsschichten übereinander: zu unterst die Batua (s.d.), die hier neben der Jagd hauptsächlich die Töpferei betreiben; darüber als Hauptbestandteil der Bevölkerung die zu den Bantu gehörigen Wahutu (s.d.); zu oberst endlich der hamitische Bestandteil der Watussi (s.d.). Unter dem Ausdruck W. im engeren Sinne sind nur die Wahutu zu verstehen. Sie sind ein kräftiger mittelgroßer Menschenschlag, der keinerlei Körperverunstaltung übt, auch die Beschneidung nicht, und dessen Idiom, das Kirundi, auch von den Wanjaruanda und Waha gesprochen wird. - Beide Geschlechter kleiden sich noch ziemlich allgemein in Stoffe von Fikusbast, die von den Männern als ein über der einen Schulter zusammengeknüpfter Überwurf, von den Frauen als um die Hüfte gebundener Schurz getragen werden. Neben dem alten Bogen dient der lange Wahumaspeer als Angriffswaffe. Wohnform ist die typische Kuppelhütte des Zwischenseengebiets, doch sind die Hütten infolge des Holzmangels hier schlechter gebaut als weiter im Norden. Hauptbeschäftigung der W. ist der Feldbau, wobei neben den überall auftretenden Bananen hauptsächlich Maniok, Mais, Erbsen, Bohnen und Bataten, auch Hirse zur Bierbereitung gezogen werden. Politisch zerfallen die W. in zahllose Einzelstaaten, unter deren ursprünglich gleichberechtigten Herrschern einer, der Mwesi (König), von der deutschen Regierung eine Zeitlang zum König über ganz Urundi gesetzt worden war. Seither ist man von dieser Politik zurückgekommen. Die Bedrückung der W. durch die Watussi ist auch hier sehr hart, so daß man den Jubel wohl begreift, mit dem sie die ersten europäischen Reisenden begrüßt haben. Man hielt diese eben für die Befreier vom Watussijoch. Auch der glänzende Empfang Oskar Baumanns von 1892 ist auf das Konto dieser Zustände zu schreiben. Die Zahl der W. beträgt nach neueren Schätzungen 1 1/2 - 2 Millionen.

Literatur: Ramsay, Uha, Urundi, Ruanda. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1897. - Derselbe, Über seine Expedition nach Ruanda usw. ZGErdk. 1898. - v. Beringe, Bericht über eine Expedition nach Urundi. KolBl. 1904. - Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894. Bethe Bericht über einen Zug nach Ruanda. BKoll. 1899. - Kandt, Caput Nili. Berl. 1904.

Weule.