Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 674 f.

Wapare, der Hauptbevölkerungsbestandteil der Landschaft Pare in Deutsch-Ostafrika, im Westen von Usambara, südlich vom Kilimandscharo. W. leben außerdem im nördlichen und zentralen Usambara. Nach Baumann sind die W. in ihren heutigen Sitzen ein älteres Element als die Waschambaa (s.d.); sie sind ein Mischvolk aus verschiedenen, erobernd oder flüchtend in das Gebirge eingedrungenen Bantuelementen, die sich in der abgeschlossenen Lage zu einer ethnischen Einheit entwickelt haben. Massaiaffen (s.d.) sind sie insofern, als sie von ihren Bedrückern die Kleidung und zum Teil auch die Bewaffnung angenommen haben. Bantusitte ist hingegen das Zuspitzen der oberen Schneidezähne. Ursprüngliche Waffen waren ein leichter Speer, Bogen und Pfeil. Heute hat auch hier die Küstenkultur fast alle alten Verhältnisse verwischt. - Geschlossene Dörfer kennen die W. nicht, sie wohnen vielmehr in kleinen Weilern von höchstens 10 Kegeldachhütten mitten in ihren Feldern und Bananenhainen. Gegenstand der Viehzucht sind Buckelrind, Ziege und Huhn. Ihr Feldbau steht technisch sehr hoch, indem sie an den steilen Hängen des Gebirges starke Mauern von Feldsteinen aufführen und Terrassen ganz von der Art unserer Weinberge einrichten, zu denen sie das Wasser aus geschickt angelegten Stautümpeln in langen Kanälen herbeiführen. Früher zählten die W. auch als Eisenbereiter und Schmiede viel, doch ist diese Technik neuerdings ganz ohne Bedeutung.

Literatur: Hans Meyer, Usambara - Expedition. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1888. - Derselbe, Das deutsche Kolonialreich, Bd. 1. Lpz. 1909. O. Baumann, Usambara und seine Nachbargebiete. Berl. 1891. -Storch, Sitten, Gebräuche und Rechtspflege bei den Bewohnern Usambaras und Pares. Kitt. a. d. d. Schutzgeb. 1895. v. d. Decken, Reisen in Ostafrika. -G. A. Fischer, Kitt. d. Geogr. Ges. Hamb. 1884/85.

Weule.