Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 674

Wanzen oder Hemipteren sind Schnabelkerfe (s.d.), deren Schnabel vorn am Kopfe entspringt (s. Tafel 67/68 Abb. 13 - 15). Die meisten Arten zeichnen sich durch ein unangenehm riechendes Drüsensekret aus. Auf die zahlreichen Familien, welche der Forscher unterscheidet, kann hier nicht eingegangen werden. Nur einige der wichtigsten, in unsern Kolonien dem Laien besonders auffallende Gruppen seien genannt. - Die unter der Oberfläche des Wassers lebenden echten Wasserwanzen (Hydrocores) zeichnen sich durch kurze, nicht kopflange Fühler aus. Bei den auf der Oberfläche des Wassers laufenden Wasserläufern (Hydrodromici) sind die Mittelbeine viel länger als die Hinterbeine. Bei den auch im ausgewachsenen Zustande flügellosen Bettwanzen (s.d.) schließt der nach vorn blattartig erweiterte Halsschild den schmalen Kopf bis zu den Augen ein. Bei den mit Haftläppchen unter den Krallen versehenen Langwanzen sind die Fühler frei am Kopie eingelenkt. Bei den gedrungen gebauten Schildwanzen (Scutati) endlich stehen die Fühler unter dem kantig vorragenden Kopfrande. Von den Schildwanzen sind einige Arten sehr schön, oft metallisch gefärbt. Einige treten als Schädlinge auf, so Tectocoris lineola (s.Tafel 67/68 Abb. 13) auf der Baumwolle. Ebenso sind von den Langwanzen manche recht schädlich; so die Arten der Gattung Dysdereus (s. Tafel 67/68 Abb.14) auf Baumwolle und die Rindenwanze (Sahlbergella singularis, s. Tafel 67/68 Abb. 16) auf der Kakaopflanze. Die Wasserläufer sind langbeinige Räuber, die auf dem Wasser laufen (Gerris oderHydrometra). Sogar auf dem Meere kommen Wasserläufer (Halobates) vor. Die eigentlichen Wasserwanzen leben unter der Oberfläche des Wassers und sind oft geschickte Schwimmer.

Dahl.