Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 668

Wanderheuschrecken (s. Tafel 67/68 Abb. 11) nennt man einige Feldheuschrecken (s.d.), welche gelegentlich in großen Massen wandernd in ein Gebiet eindringen und dann fast allen Pflanzenwuchs zerstören. Für unsere Kolonien kommen zwei Gattungen in Betracht, Pachytelus und Schistocerca, von denen sich die letztere durch einen Zapfen am Hinterrande der Vorderbrust auszeichnet. Die W. Deutsch- Südwestafrikas ist Pachytilus sulcicollis. In Togo und Kamerun ist es P. migratoroides, und in Ostafrika kommt zu dieser noch die bis Nordafrika verbreitete Schistocerea peregrina hinzu. Gewöhnlich dringen zunächst sog. Mutterschwärme in ein Kulturgebiet ein, wahrscheinlich aus unkultivierten Steppen. In Ostafrika pflegt dies im November oder Dezember zu geschehen. Die Tiere fressen, paaren sich und legen ihre Eier mit dem Hinterleib in die Erde. Aus den Eiern schlüpfen die jungen Larven aus, die als sog. Hüpfer ebenfalls wandern. Nach Vosseler legt eine junge Schistocerea - Larve von 1 cm Länge in der Minute schon einen Weg von 1 m zurück. Ihre Sprünge sind 12 - 25 cm lang. Die Vertilgung geschieht am besten während der Larvenstadien mittels Seifenlösung von 3 - 6 %. Die Lösung, welche man mittels der Gießkanne auf dem Boden verteilt, tötet die Tiere. Die ungeflügelten Tiere kann man ferner vertilgen, indem man sie gegen Hindernisse treibt. Gräben von 50 cm Tiefe werden gegraben und neben diesen Wellbleche von 50 cm Höhe aufgestellt. Zur Vertreibung der geflügelten Tiere kommen Qualmfeuer und Lärm in Anwendung.

Literatur': L. Sander, Die Wanderheuschrecken und ihre Bekämpfung in unseren afrikanischen Kolonien. Berl. 1902. - J. Vosseler, Die Wanderheuschrecken in Usambara im Jahre 1903 - 1904, Ber. Land- u. Fortwiss. Deutsch-Ostafrikas Bd. II, 291 ff. - W. La Baume, Die afrikanischen Wanderheuschrecken, Beiheft. z. Tropenpfl. Bd. XI Nr. 2, 1910.

Dahl.