Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 660

Wakindiga, im Ruf des Urrassentums und zwerghaften Wuchses stehende Völkerschaft zwischen dem Hohenlohegraben und dem Ejassisee im abflußlosen Gebiet im Norden von Deutsch -Ostafrika. Nach E. Obst, dem neuesten Erforscher dieses Gebiets, bewegt sich die Körperhöhe der Männer zwischen 156 und 168 cm, die der Frauen zwischen 142 und 162 cm, so daß also von einem eigentlichen Zwergwuchs ebensowenig die Rede sein kann wie bei den Wassandaui (s.d.). Die Männer sind durchweg stämmig und kräftig, die Frauen dagegen ungleich feiner gebaut. Erstaunlich gering ist die Körperbehaarung. Ihrer Überlieferung nach wollen die W. seit jeher in dem Gebiet zwischen dem Mangolafluß und den Mumbabergen gesessen haben, wie die Wahi (s.d.); sie seien jedoch durch lange Kämpfe mit den Massai (s.d.) vollkommen erschüttert worden. Erst neuerdings ist an die Stelle dieser kriegerischen Beziehungen eine friedliche Berührung mit den Wanissansu (s.d.) getreten, der das sehr primitive Volkstum der W. rasch zu erhegen droht. - Die W. sind ein echtes Jäger- und Sammlervolk, das vom erlegten Wild und von Beeren und Knollenfrüchten lebt. Viehzucht und Ackerbau sind vollkommen unbekannt, und kein einziges Haustier, nicht einmal der Hund, wird gezüchtet. Man schlägt die halbkugelförmigen, 1 1/2 - 2 m im Durchmesser haltenden laubbedeckten Zweighütten an irgendeinem Ort so lange auf, wie Wild und pflanzliche Nahrung es gestatten und zieht dann weiter. Waffen sind der Bogen und vergiftete Pfeile. Kleidung ist bei dem männlichen Geschlecht entweder gar nicht vorhanden, oder sie besteht nur aus einem kleinen Fellschurz. Die Frauen tragen außer einem Genitalschurz noch je ein größeres Leder auf Rücken und Gesäß. Die Zahl der W. beträgt nur noch etwa 100 Köpfe.

Literatur: E. Obst, Von Mkalama ins Land der Wakindiga. Kitt. d. Geogr. Ges. Hamb. 1912.

Weule.