Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 657

Wahuma, Wahima, Baïma, Beyma, Gesamtbezeichnung für das hamitische Bevölkeungselement im Zwischenseengebiet (s.d.) und in den südlich angrenzenden Ländern Unjamwesi und Ussindja in Deutsch-Ostafrika. Im einzelnen unterscheidet die neuere Ethnographie 2, vielleicht gar 3 verschiedene Schichten, indem sie aus sprachlichen Gründen annimmt, daß die Watussi (s.d.) in Uha, Urundi und Ruanda, die ihre eigene Sprache reden, zuerst ins Land gekommen seien. Eine spätere, ebenfalls aus dem Norden gekommene Welle seien dann die Wahinda (s.d.) von Kissiba und Ussindja. Die letzte Welle endlich sei die der Wahuma im engeren Sinn, die heute das herrschende Element im eigentlichen Zwischenseengebiet bilden. Ob diese Anschauung der zukünftigen Forschung wird standhalten können, steht dahin. Einstweilen empfiehlt es sich jedenfalls, mit Hans Meyer die Bezeichnung W. als Gesamtnamen für alle hamitischen Einwanderer in der westlichen Umrandung des Victoria Njansa beizubehalten. W. bedeutet "Leute aus dem Norden", was ja in der Tat bei allen zutrifft, indem die W. ganz zweifellos aus dem Norden des Erdteils zugewandert sind, mit großer Sicherheit aus dem Nordosten, und vielleicht gar erst vor Jahrhunderten. Mitgebracht haben sie dabei das Großhornrind, das für ihren ganzen Kulturkreis bezeichnend ist und in dessen Wartung und Pflege sie aufgehen. - Physisch gehören die W. zu den längsten Menschen der Erde. In Ruanda und Urundi sind Körpergrößen von 2 m nichts Seltenes; 1,80 m ist der Durchschnitt, aber selbst 2,20 m sind gemessen worden. Die Physiognomie ist ausgesprochen hamitisch; die Nase gerade, der Kopf lang und seitlich zusammengedrückt; das Gesicht länglich und schmal; die Hautfarbe hell; das Haar weich und wellig (s. Tafel 199 u. 200). Körperverunstaltungen fehlen ganz. Bisherige Kleidung war ein über der einen Schulter zusammengeknüpfter Fellmantel. Bauweise ist die Kuppelhütte, bei der Dach und Wand einheitlich sind. - Das größte Interesse erwecken die W. von der politischen Seite aus. Die Wahinda glauben mit ihrem Reich Kitara auf eine alte Geschichte zurückblicken zu können (s. Wahinda); heute sind ihre Vertreter die Herrscher in Karagwe und bei den Waheia (s.d.). Auch überall sonst sind die W. trotz ihrer geringen, nur etwa 1/10 der Gesamtbevölkerung betragenden Anzahl die herrschende Schicht. Neben der kleineren Dynastie von Mpororo besteht vor allem diejenige der Msinga von Ruanda, der einzigen Herrscher in Deutsch - Ostafrika, mit denen die Deutschen kolonialpolitisch noch zu rechnen haben werden, trotzdem unter dem jetzigen schwachen Msinga Juhi die alte, feste Organisation des Reiches durch die Selbständigkeitsgelüste, der Watualen, der Großen, recht bedenklich gelockert worden ist.

Literatur: Graf Götzen, Durch Afrika von Ost nach West. 2. Aufl. Berl. 1899. - Derselbe, Über die neuesten Forschungen im Gebiet der Nilquellen. Verhandl. d. 7. intern. Geogr. Kongr. Berl. 1899. - Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berl. 1894. -, Derselbe, Beiträge zur Kulturgeschichte von 08tafrika. Berl. 1909. - Kandt, Caput Nili. Berl. 1904. - Herzog Adolf Friedrich, Im innersten Afrika. Lpz. 1909.

Weule.