Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 655

Waheia, Wahaia, Gesamtbezeichnung für eine Reihe von Landschaften in Deutsch-Ostafrika auf dem südlichen Westufer des Victoria Njansa, zwischen Uganda im Norden, Karagwe im Westen und Ussindja im Süden. Es sind das von Norden nach Süden: Buddu, Kissiba, Bugabu mit den Waendagabu, Kjamtwara mit den Wajossa, Kjanja mit den Wahamba, Ihangiro mit den Waniahangiro und Kimoani. In Karagwe und an der Küste, auch in der Literatur, hat man die Bezeichnung Wassiba, also den Namen der Bevölkerung einer der nördlichen Landschaften, fälschlicherweise auf die Einwohnerschaft aller "Reiche" übertragen. Sie selbst nennen sich jedoch nur, Waheia (Wahaia). Von den Wahuma (s.d.), die auch hier wie im ganzen übrigen Zwischenseengebiet die Herrschaft führen, werden sie Weru (Ueiru) oder Waweru, d.h. Sklaven, genannt. Die Bevölkerungszahl der einzelnen Landschaften beträgt nach der amtlichen Zählung von 1912: Buddu 9672, Kissiba 33 878, Bugabu 19 106, Kjamtuara 22 541, Kjanja 48 576, Ihangiro 39 237, Kimoani 3084. Rechnet man auch die Bevölkerung von Karagwe mit zu den W., so erhöht sich die Zahl noch um 27 387. - Die W. sind körperlich ziemlich günstig ausgestattet. Bis in die jüngste Zeit hinein bestand die allgemeine Tracht aus einem Schurz und hier und da auch einem Mantel aus Raphiafasern (s. Tafel 201), doch gingen die jungen Mädchen, auch die vollkommen erwachsenen, in Kjamtuara völlig nackt. Durch eingeführten Kattun ist die Raphia- wie auch die Fell- und Rindenstoffbekleidung stark zurückgedrängt worden. Allgemeiner Schmuck sind dicke Wülste feiner Ringe um Hand- und Knöchelgelenk (njerere). Sie werden aus Kuhschwanzhaar gefertigt, das mit reich gemusterter Drahtumwicklung umgeben ist. Waffen sind lange Lanzen, meist ohne Eisenklinge, aber mit im Feuer gehärteter Spitze, und lange Haumesser. Der Schild ist eine riesige, mit Geflecht überzogene Korkholzplatte. - Die Dörfer der W. liegen vollkommen im Grün der riesigen Bananenhaine versteckt, die das ganze Land bedecken. Die Hütten sind bienenkorbförmig; ihr Boden ist mit Heu bedeckt. Hauptnahrungsmittel ist die Banane in mannigfaltigster Zubereitung; Gegenstand der eifrig betriebenen Viehzucht das Großhornrind. Reich sind die W. an Musikinstrumenten; die einzelnen Häuptlinge leisten sich richtige Hofkapellen. In der Technik stehen die höchst sauberen und feinen Flechtarbeiten obenan. Ihre Boote ähneln denen der Waganda. In Kriegszeiten pflegen die W, sich und ihr zahlreiches Vieh in den vielen und geräumigen Höhlen zu verstecken, die für das Land charakteristisch sind. Regierungsform ist die Monarchie; es herrscht unbedingte Heeresfolge. Die herrschende Schicht gehört teils den Wahuma (s.d.), teils den Wahinda (s.d.) an. Diese, in denen wir die früher ins Land gekommenen Hamiten (s.d.) zu sehen haben, stellen überall die Herrscher, die spätere Welle der Wahuma den Adel.

Literatur:, Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berl. 1894. Hermann, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1894. Kollmann, Der - Nordwesten unserer ostafrikanischen Kolonie Berl. 1898. - Graf Schweinitz, In Deutsch-Ostafrika in, Krieg und Frieden. Berl. 1895. -- Richter Der Bezirk Bukoba. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1899. - Rehse, Kiziba, Land und Leute. Stuttg. 1910.

Weule.