Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 654 f.

Wahehe, Wahähä (s.Tafel 197), Bantuvölkerschaft im Süden von Deutsch-Ostafrika, eine der wenigen, die von politischer Bedeutung für größere Teile Afrikas gewesen sind und eine auch für uns verfolgbare Geschichte haben. Die Grenzen des Machtbereichs der W. haben im Verlauf ihrer Geschichte stark geschwankt, doch deckt er sich im großen und ganzen mit dem Zuflußgebiet des Ruaha, des linken großen Nebenflusses des Rufidji, wobei das eigentliche Uhehe auf dem rechten Ufer des Ruaha zu suchen ist. Die Ostgrenze ist im aufgewölbten Schollenrand des großen zentralafrikanischen Plateaus gegeben. Im Süden dehnte sich das Reich bis ins Livingstonegebirge; im Westen und Norden wohnen W. zerstreut bis nach Ussangu und Ugogo hinein. 1907 zählten sie etwa 35 000 Seelen. - Die W. gehören zu den Völkern, die man auf Grund ihrer Wangonitaktik und ihrer kriegerischen Erfolge bis in die Mitte der 1890er Jahre zu den Sulu (s.d.) zählte; sie gehören jedoch in die Reihe der Wanjamwesi - Wagogo - Wasagara (s.d. betr. Art.). Die Bewaffnung und Kampfesweise haben sie auf dem Umweg über die Wassangu (s.d.) von den Wangoni (s.d.) übernommen; vor 1860 waren sie noch ebenso Wurfspeerbewaffnete wie alle ihre Nachbarn auch. Physisch ist der Mhehe ein schlanker, kräftiger, mittelgroß gewachsener Mann, mit gerader Nase, gut geformtem Mund und nicht aufgeworfenen Lippen. Ein Einheitstypus ist jedoch nicht vorhanden, da dieses Volk sich ein halbes Jahrhundert hindurch aus allen Nachbarstämmen rekrutiert hat. Körperverunstaltungen werden nicht geübt. Wohnung ist die Tembe (s.d.), die hier stets in Viereckform und einen für das Vieh bestimmten Hof umschließend auftritt. Die Zucht des Buckelrindes steht, seitdem sich der Bestand von der Seuche von 1891 erholt hat, wieder stark -im Vordergrunde des Interesses, trotzdem auch dem Feldbau eine für ihre Verhältnisse sehr rationelle Pflege gewidmet wird. Man legt Terrassen an und kennt sogar Düngung mit Stallmist. - Die Geschichte der W. beginnt in den 1860er Jahren mit dem Auftreten des Quawa Mujugumba (Njugumba) oder Mujinga, wie er sich nach seinem Stammland Ujinga nannte. Seine Kerntruppen hießen sich danach Wajinga oder Wainga. Mujinga, besiegte zunächst die Wabena (s.d.) und dann die Wassangu, die er bis Usafua verdrängte, und bekämpfte auch siegreich die Wangoni (s.d.), deren einer Fürst Tschipeta mit vielen seiner Getreuen fiel. Mujinga starb 1878. Sein Nachfolger Quawa Muhinja setzte die Eroberungspolitik seines Vaters über das südliche Unjamwesi und Ugogo fort; den größten Schrecken verbreiteten indessen seine Scharen durch die unausgesetzten Raubzüge, die sie bis vor die Tore der deutschen Stationen in der Nähe der Ostküste führten. Die erste Maßnahme der deutschen Regierung zur Unterwerfung der W., die Expedition Zelewski (s.d.), schlug fehl, indem die Truppe aus Unterschätzung des Feindes am 17. August 1891 bei Rugaro fast aufgerieben wurde. Dem Sturm des Gouverneurs v. Schele (s.d.) erlag dafür am 31. Oktober 1894 die befestigte Hauptstadt Iringa, doch sind noch volle 4 Jahre eines von den W. mit großem Geschick und anerkennenswerter Hartnäckigkeit geführten Guerillakrieges nötig gewesen, um die Macht des Quawa zu brechen. 1898 erschoß er sich. Seitdem herrscht Ruhe im Lande, die auch im Aufstande von 1905 nicht unterbrochen worden ist.

Literatur: Weule, Die W., Verhandl. d. Ges. Erdk. Berl. 1896. - Arning, Die W., Kitt. a. d. d. Schutzgeb. 1896 u. 1897.- Ders., Die Zukunft von Uhehe, DKolZtg. 1898. - Engelhardt, Meine Reise durch Uhehe, die Ulanganiederung und Ubena, Beitr. z. Kolonialpolitik und Kolonialwirtschaf. Berl. 1901102. - Nigmann, Die W., Berl. 1908.

Weule.