Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 653 f.

Wagogo (s.Tafel 197), die Bewohner der Landschaft Ugogo, Zentral- Deutsch-Ostafrika. Die W. (1908: 46 000 Köpfe) sind Bantu, die stark mit hamitisch - nilotischem Blut durchsetzt sind, im übrigen aber den Wairamba, Wanjaturu, Wambugwe und Warangi (s.d. betr. Art.) nahe stehen. Die ursprüngliche Kleidung bestand in einem Fellschurz, der die Schamteile nicht verbarg, sondern sie gerade noch sehen ließ, und einem Sitzleder. Dazu kam je ein Zopf hinten und drei kleinere über Stirn und Ohren, Sandalen, Bein- und Armbänder und riesige Ohrpflöcke, wie alles das auch der Massai trägt (s.d.). Auch in der Bewaffnung haben sie von diesem Volke manches angenommen (Massaiaffen). Der Charakter der W. wird von allen Reisenden, als schlecht gekennzeichnet; sie gelten als mißtrauisch, hinterlistig, lügnerisch, frech und feige, doch mag vieles auf die zahllosen Übergriffe der das Land durchziehenden Karawanen zu setzen sein, wie auch auf die ewigen. Angriffe der Massai (s.d.) von Norden und der Wahehe (s.d.) von Süden. Den früheren unausgesetzten Räubereien der W. an den durchziehenden Karawanen, die nicht selten auch bis auf den letzten Mann niedergemacht wurden, hat die deutsche Regierung durch Anlage der Stationen Mpapua und Kilimatinde ein Ende bereitet. Wohnform der W. ist die Tembe (s.d.), die hier in ihrer reinsten Vorm auftritt. Sie ist kaum mannshoch, beherbergt aber oft Hunderte von Bewohnern. Erstaunlich ist, was die W., oder richtiger ihre Frauen, durch ihren Ackerbau aus dem dürren Boden herauszuwirtschaften verstehen. Sie kultivieren mit Vorliebe Penicillaria, aber diese in solchem Maße, daß in der Blütezeit des ostafrikanischen Karawanenhandels (s. Karawanenverkehr), den 1870er und 1880er Jahren, alljährlich annähernd 1/3 Million durchreisender Fremder auf ihrem 10 - 15 Tage währenden Durchmarsch durch das Land verpflegt werden konnten. Die von den Männern gepflegte Viehzucht steht dem gegenüber auf keiner hohen Stufe; sie betrifft ein ziemlich kleines Buckelrind, Ziegen, Schafe und Esel. Zudem hat die Seuche von 1905 den größten Teil der Tiere vernichtet.

Literatur: Hermann, Ugogo, Das Land u. s. Bewohner. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1892. Fonck, Ber. üb. s. Marsch v. Mpapua n. Ugogo usw. Ebenda 1894. -Reichard, Deutsch- Ostafrika. Lpz. 1892.

Weule.