Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 653

Wageia, Wagaja, die Bewohner der am nördlichen Ostufer des Victoria Njansa gelegenen Landschaft Ugaia. Ein Teil der. W. sitzt, auf deutschem Gebiet in Deutsch - Ostafrika. Beiden Nachbarvölkern bezeichnet der Name W. auch die benachbarten Wakavirondo (s.d.). Sie selbst nennen sich nach Rindermann Wamogera. Die W. sind Niloten, aller Wahrscheinlichkeit nach Schilluk, die vielleicht erst vor kurzer Zeit von Norden gekommen sind und bereits. bis zum Mara und bis Ururi vorgedrungen waren, als die Gründung der deutschen Station Schirati ihrem nordsüdlichen Siegeszuge Halt gebot. Physisch sind die Männer von hohem, kräftigen Wuchs, die Frauen hübsch und zierlich. Kleidungsmaterial ist, sofern nicht beide Geschlechter vollkommen nackt gehen, Leder; Bemalung ist üblich; desgleichen Beschneidung und das Ausbrechen der mittleren, unteren Schneidezähne. Der Kriegsschmuck wird charakterisiert durch helmartige Kopfbedeckungen, die wie bei den Massai (s.d.) in früher Zeit aus Löwenmähnen u. dgl. bestanden, oder mit großen Warzenschweinhauern, Stücken von Nilpferdzähnen und Paternosterbohnen (s. farbige Tafel von Deutsch-Ostafrika Abb. 4 u. 11) besetzt waren, während heute Straußenfedernschmuck überwiegt. Die Lanzen der W. sind mit ihrem 3 m langen Schaft die längsten, ihre Büffelfellschilde mit 1 - 1,30 m Höhe und noch größerer Breite (s. farbige Tafel von Deutsch-Ostafrika Abb. 15) die stattlichsten und schwersten in Afrika. Die W. treiben neben der Viehzucht auch reichlich Feldbau; auch sind sie treffliche Schmiede.

Literatur: G. A. Fischer, Am Ostufer des Victoria-Njansa. Peterm. Mitt. 1885. - Kollmann, Der Nordwesten unserer ostafrikanischen Kolonie. Berl. 1898. - O. Neumann, Verh. d. Ges. f. Erdk. Berl. 1895.

Weule.