Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 638

Voruntersuchung. Sie ist ein Teil des im Strafprozeß dem Hauptverfahren vorhergehenden Vorverfahrens. Bieten die von dem Staatsanwalt angestellten Ermittlungen ihm genügenden Anlaß zur Erhebung der öffentlichen Klage gegen eine bestimmte Person, so geschieht diese entweder durch Einreichung einer Anklageschrift bei dem Gericht oder durch einen Antrag auf gerichtliche V. In den zur Zuständigkeit des Reichsgerichts oder der Schwurgerichte gehörigen Sachen muß eine V. stattfinden. Die V. wird von dem Untersuchungsrichter (s. d.) eröffnet und geführt. Der Angeschuldigte ist in der V. zu vernehmen und von dem Schlusse der V. in Kenntnis zu setzen (§§ 168 Abs. 1, 176 - 195 StPO.). In den Schutzgebieten findet gemäß §§ 3 SchGG., 57 KonsGG. eine V. nicht statt. Allerdings, kann nach § 6 Nr. 2 b SchGG. für diese in Abweichung von dem Rechte des KonsGG. durch Ksl. Verordnung in Strafsachen eine V. eingeführt und das Nähere zu deren Regelung vorgeschrieben werden. Von seiner Befugnis hat indes der Kaiser bisher keinen Gebrauch gemacht. Die erforderlichen Ermittlungen und Untersuchungshandlungen werden in den Schutzgebieten von dem Bezirksrichter (s.d.) vorgenommen. An die Stelle der öffentlichen Klage tritt daselbst in Fällen, in denen nicht sofort das Hauptverfahren eröffnet werden kann, die Verfügung des Bezirksrichters über die Einleitung des Strafverfahrens gegen den Beschuldigten. Die Verfügung hat die dem Angeschuldigten zur Last gelegte Tat unter Hervorhebung ihrer gesetzlichen Merkmale und des anzuwendenden Strafgesetzes zu bezeichnen. §§ 3 SchGG., 57, 58 KonsGG.

Gerstmeyer.