Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 619

Veterinärpolizei, die staatliche Einrichtung zur Abwehr und Unterdrückung von Tierseuchen (s. Seuchen der Tiere). Zu diesem Zwecke besteht in allen Kulturländern ein Veterinärwesen, das entweder dem Ministerium des Innern oder dem Ministerium für Landwirtschaft unterstellt ist und aus einer Zentralbehörde und den beamteten Tierärzten in den einzelnen Verwaltungsbezirken des Landes besteht. Außerdem ist ein V.dienst an den Grenzen zur Überwachung der aus dem Ausland eingehenden Tiere eingerichtet. Dementsprechend ist die V. auch in den Kolonien geregelt. Die beamteten Tierärzte haben beim Ausbruch einer Seuche diese ihrem Stande und ihrer Verbreitung nach festzustellen und den Verwaltungsbehörden diejenigen Maßnahmen zu bezeichnen, die nach Lage der Sache im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen oder anderweitig angeordneten Maßregeln erforderlich sind. In eiligen Fällen sind die beamteten Tierärzte befugt, schon vor Einschreiten der Verwaltungsbehörden die notwendigsten Maßnahmen zu treffen. Die Bekämpfung der Viehseuchen ist im Deutschen Reiche geregelt durch das Rinderpestgesetz vom Jahre 1869 und durch das Viehseuchengesetz vom 6. Juni 1909 sowie durch die hierzu erlassenen Ausführungsvorschriften des Bundesrats vom 7. Dez. 1911. Diesen Gesetzen und Ausführungsvorschriften entsprechende Anordnungen sind auch in den Kolonien erlassen. Die polizeilichen Vorschriften ordnen die Anzeigepflicht bei allen wichtigeren Tierseuchen an und schreiben die Maßnahmen vor, die zur Unterdrückung der einzelnen Seuchen geboten sind. Die Maßnahmen bestehen in Sperren, Verkehrsund Nutzungsbeschränkungen, Tötung erkrankter Tiere, unschädlicher Beseitigung der Kadaver und der Abgänge erkrankter Tiere, in Impfungen sowie in der Desinfektion der Tiere, der Ställe, der Kraale und aller übrigen Gegenstände, die als Träger des Ansteckungsstoffes betrachtet werden müssen.

Literatur: Nevermann - Beyer, Viehseuchengesetze, 5. Aufl. Berlin 1912. - v. Ostertag, Das Veterinarwesen und Fragen der Tierzucht in Deutsch-Südwestafrika. Jena 1912.

v. Ostertag.