Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 594 f.

Ussagara, Landschaft Deutsch-Ostafrikas, schließt einen Teil des Ostafrikanischen Randgebirges (s.d.) ein. U. ist viel genannt, weil hier (s. Mukondokwa) die deutsche Herrschaft ihren Anfang nahm. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft wird deshalb von der Zeit her, wo sie Hoheitsrechte ausübte, immer noch fast überall in Deutsch-Ostafrika von den Eingeborenen "U." genannt. Die alte politische Landschaft U. im Sinne der Eingeborenen reichte im Ostafrikanischen Randgebirge nach S erheblich über das Durchbruchstal des Großen nach N über das Mukondokwatal hinaus und in schmalem Streifen östl. von Kaguru bis an den. S üdfuß von Nguru; nach O umschloß sie die ganze Mkatasenke (s.d.) bis an den Westfuß von Uluguru, (s.d.), im W ging die Grenze gegen Ugogo (s.d.) bis fast zum Umerohe, im Mukondokwatal allerdings nur bis zum Gombosee (s. Mukondokwa). Heute begreift man unter U. meist lediglich das Land westlich vom Fuß des Steilabfalls gegen die Mkatasejike, nach S bis zum Großen Ruaha, rechnet Widunda im SO noch ein. Nach W bleibt die alte Abgrenzung, im N zieht man am besten das ganze Flußgebiet des obern Wami (s.d.) zu Kaguru. Dies U. ist etwa 12 000 qkm groß und wird vom Mukondokwa in das kleinere N- und das größere S -U. geteilt. Des letzteren höchste, zentral gelegene, stark zertalte und zerklüftete Teile sind das Rubehogebirge., das an vielen Stellen 2000 m überragt, 2200 m erreichen dürfte; der Guruiberg, wenig südlich von der Rowumaquelle (s. Mukondokwa) ist 2110 m hoch. Die Bruchstufe gegen die Mkatasenke (s.o.) ist nicht sehr einheitlich und schroff, ziemlich stark zerschnitten, die relative Höhe 4 - 600 m, am Südende überragt der Pala -Ulanga mit 1950 m Meereshöhe die Senke sogar um 1300 m. Auch Widunda erreicht im Li - Junge etwa 1800 m. U. ist Gneisland, in dem ziemlich viel Granit und auch andere kristalline Gesteine vorkommen. Die Mannigfaltigkeit der Streichrichtungen des Gneis ist sehr groß; durchschnittlich liegen sie im östl. Teil des Gebirges mehr um die äquatoriale als um die meridionale Richtung im W scheint meridionale nicht selten vorzukommen. Das Einfallen ist nahe dem Ostrand ziemlich sanft, weiter landeinwärts recht steil, fast stets nach S zu. - Vom Klima von Kilossa (s.d.) am Eingang zu U. kann man nicht auf das von U. selbst schließen. Letzteres ist zahlenmäßig noch nicht bekannt. Doch hat U. zweifellos kontinentales Passatklima (s. Deutsch-Ostafrika 4), ist ziemlich kühl. Die Regenmengen dürften an einigen Stellen vielleicht 1000 mm erreichen. Die Vegetation besteht aus trockener Baum- und Buschsteppe, die nach oben in Hochgebirgsbusch und Hochweideland übergeht; einige, nicht alle höheren Kuppen sind mit immergrünem Höhenwald bedeckt. Hier sind Büffel häufig, aber auch sonst gibt es noch manches Wild in U., besonders auch am Ruaha. Sorghum und Mais, seltener Pennisetum, Bataten, Bohnen, Erdnüsse und Sesam werden angebaut, dazu kommt in Widunda viel Tabak. U. war schätzungsweise Ende 1912 von 23 000 Wassagara (s. Wasagara) ungleichmäßig bewohnt. Gerade in den höheren, ganz gesunden Teilen wäre Raum für europäische Ansiedler. Etwas dichter ist Widunda (s.o.) mit gegen 6000 Wadunda, die Kissagara sprechen, besiedelt. Die durchschnittliche Volksdichte von U. ist danach knapp 2 1/2. Es ist viel Kleinvieh vorhanden, die Zahl der Rinder ist im Zunehmen. U. gehört mit der größeren Hälfte und etwa 6/7 seiner Bewohner zum Bezirk Morogoro (s.d.), der Rest zu Dodoma (s.d.).

Literatur: R. Houy und Tiller, Süd - Ussagara usw. in Hans Meyer, Ergebnisse einer Reise durch das Zwischenseengebiet Ostafrikas, 1911, Mitt. a. d. d. Schutzgeb., Erg. - Heft 6, 1913.

Uhlig.