Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 593

Usigua (Usiguha, Useguha), Landschaft des Vorlandes von Deutsch-Ostafrika, die sich, an den Küstenstreifen angrenzend, vom Pangani im N bis gegen Uluguru, im S hinzieht und in die nördliche Mkatasenke fortsetzt. Im SO grenzt es an Udoi und Ukwere, im W an Nguru und die Massaisteppe (s.d.) Soweit man bisher weiß, ist U. aus Gneis und seinen zu weiten und mächtigen Deckschichten ausgebreiteten Verwitterungsprodukten aufgebaut. Von N her aber treten jüngere, sedimentäre Schichten noch in U. ein. Ist ihr Zusammenhang mit den gleichaltrigen Schichten, wie sie wieder am untern Wami (s.d.) auftreten, tatsächlich in U. völlig unterbrochen? Große Teile U.s, besonders seiner Nordhälfte sind auch nicht flüchtig geologisch untersucht, überhaupt ganz wenig bekannt. Man weiß noch nicht, ob der Gendagendaberg, 30 km von der Küste zu 700 m ü. d. M. aufragend, ein Gneisberg ist, wie er das seiner Form nach zu sein scheint; er steht am Südende eines kleinen Steilrands, vielleicht der Fortsetzung einer der Linien Usambaras (s.d.). Im übrigen steigt die Nordhälfte des Landes ganz allmählich gegen den NO - Fuß von Nguru an und dürfte eine Mittelhöhe von über 500 m haben. Hier führen unmittelbar kleinere Flüsse zum Meer; der Mssangassi entspringt s. von Kwediboma am Fuß von Nguru (s.d.), der kürzere Mligasi, der Grenzfluß zwischen den Bezirken Pangani und Bagamojo, im Hügelland von U.; in der Trockenzeit versiegt der letztere streckenweise. Die niedrigere Südhälfte von U., n. vom Wami (s.d.), stark zertalt, wird ganz von diesem Fluß entwässert. An seinem r. Ufer, 80 km von der Küste, erhebt sich zu 750 m Mh. der Pongwe, ein Gneisinselberg; ähnliche Bildungen kommen in seiner Nachbarschaft, wahrscheinlich aber auch im ganzen nördl. U. vor. --rU. ist nicht so arm an Regen wie man früher meinte; allerdings ist das Fehlen längerer Steilränder der Kondensation nicht sonderlich günstig. Kwamdoi bei Handeni, 120 km von der Küste, 740 m ü. d. M., hat 811 mm (fünfjähr. Mittel), Mandera, Station der Väter vom Heiligen Geist (s.d.), wenig n. von Wand, 230 m ü. d. M., hat 850 mm (neunjähr. Mittel). Gegen den Fuß von Nguru dürften die Niederschläge ansteigen, auch der Küstenstreifen ist regenreicher (er gehört aber nicht zu U., sondern zur Mrima, s.d. sowie Pangani, Sadani, Bagamojo). Die Vegetation von U. ist Buschland aller Art; im NW ist es ziemlich dürftig, im S geht es in lichten Trockenwald über, vielfach ist es als Busch und Grassteppe entwickelt, selten birgt es dichten Wald (wohl keinen Regenwald), wie westlich vom Gendagenda (s.o.). Hier stehen zahlreiche Büffel, sonst aber ist Nord - U. zu sehr besiedelt, um wildreich zu sein, während der SW von U. noch reichlich Antilopen besitzt. Sorghum, Mais, Bohnen, Bataten sind die wichtigsten Feldfrüchte. An Vieh im Besitz der Eingeborenen gab es 1911 im N, im Bezirk Pangani, 41 000 Rinder, 35 500 Ziegen, 43 700 Schafe; von hier aus wurde viel Schlachtvieh nach Sansibar ausgeführt; der S von U., im Bezirk Bagamojo, hat nur etwa 5000 Rinder und 4000 Stück Kleinvieh. Überdies gehören noch kleine Teile der Bezirke Morogoro und Wilhelmstal (s.d.) zu U., das insgesamt 16 800 qkm umschließt. Hier wohnen etwa 74 000 Wasigua oder Wasegua (s.d.), 54 000 im N, nur 20 000 im S, wozu noch etwa 1000 landfremde Farbige, wenige Europäer kommen. Das ergibt die Volksdichte 4 1/2.

Uhlig.