Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 573

Ungoni, Landschaft von Deutsch-Ostafrika, in der Regel zum Ostafrikanischen Randgebirge (s.d.) gerechnet. Dies letztere geht hier nach O zu so allmählich in das Vorland (s. Deutsch- Ostafrika 2 u. 5) über, daß in den Formen keine Grenze kenntlich wird. Etwas ö. von 36° ö. L. und in durchschnittlich 30° m Mh. tritt man, aus dem Gneisland kommend, in das Gebiet der Makondeschichten (s.d.), in das Vorland ein, dem noch ein kleiner Teil von U. angehört. Im W grenzt U. an die Randländer des Njassa: Upangwa (s.d.) und Matengohochland (s.d.), im N an Ubena (s.d.) mit Matumbi (s.d. 2); insgesamt umfaßt U. 20 300 qkm. U. wird vom Rowuma (s.d.) und Luwega (s.d.), die hier entspringen, überdies von Nebenflüssen des Ruhuhu (s.d.) entwässert. Es ist ein stark zerschnittenes, wasserreiches Hochland, das von W nach O und von N nach S sich senkend im Mittel 1100 m hoch sein dürfte. In der Mitte von U. erheben sich Formen, die denen des deutschen Mittelgebirges gleichen, über weiten, sumpfigen Tälern. Gerundete Gneisfelsen treten häufig auf. Die Niederschläge erreichen nirgends die Höchstbeträge der anderen Teile des Randgebirges (s.o.), übertreffen aber mit etwa 950 mm den Durchschnitt des Hochlandes von Deutsch- Ostafrika. Ssongea (s.d.) hat erheblich mehr, Peramiho (Station der Benediktiner) aber nur 941 (s. auch das nahe benachbarte Kigonsera unter Matengohochland). In Nord - U. fällt ähnlich viel, wie in Ssongea. Der Trockenwald ist die ausgebreitetste Vegetationsform der größeren SO - Hälfte von U; hier gibt es auch Hochgrassteppe. In den höheren Gebieten treten neben dem Gebirgsbusch Reste immergrünen Waldes auf und Hochweide. Die Zahl der Bewohner, hauptsächlich Wangoni (s.d.) und Wadendauli, daneben Splitter sehr vieler anderer Stämme, mag jetzt etwa 45 000 betragen. Das ergibt die Volksdichte 2 1/2. Man schätzt, daß vor dem Aufstand 1905/07 anderthalbmal so viel Menschen hier lebten. Aber auch damals war das fruchtbare Land sehr dünn bevölkert. Wo aber Wangoni sitzen, ist U. sehr sorgfältig und erfolgreich angebaut mit Mais, Eleusine, Sorghum, Süßkartoffeln, Maniok, beiden Erdnußarten (Arsches und Voandzeia, s. alle diese). Die seit 1905/07 ganz geringe Viehzahl beginnt wieder zu wachsen.

Literatur: P. Fuchs (und J. Booth), Die wirtsch. Erkundung einer ostafrik. Südbahn. Berl. 1905. - F. Fülleborn, Das deutsche Njassa- und Ruwuma- Gebiet. Berl. 1906.

Uhlig.