Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 569

Ukerewe, mit 523 qkm die größte Insel des Victoriasees (s.d.), nach der dieser früher auch U. -See genannt wurde. U. gehört zu Deutsch- Ostafrika. Vom Festland ist es durch den nur 200 m breiten Rugesikanal getrennt, der Anfang 1912 für Schiffe von 0,8 m Tiefgang noch passierbar war. U. besteht ganz aus Granit, der vielerorts die fruchtbare Roterde in mächtigen plumpen, kugeligen, aber auch in säulenförmigen Blöcken überragt. Häufig sind auch stattliche, gerundete Hügel aus nacktem Fels, die Glazialformen täuschend ähnlich sehen; man kann sie als Pseudorundhöcker bezeichnen. U. erhebt sich bis zu 138 m über den See. Das Klima (s. Deutsch-Ostafrika die ausführliche Tabelle für Neuwied und Marienhof, im O von Ukerewe, unter Deutsch- Ostafrika 4) ist viel regenreicher als das der benachbarten, sö. Küste des Sees. Auf U., besonders in dem dünn besiedelten W, gibt es immergrüne Wälder, halb Alluvial-, halb Regenwald, daneben Grasfluren. Im O überwiegt das Kulturland. Kleine Bananenhaine sind über ganz U. verbreitet. Pennisetum und Sorghum (s. diese) werden angebaut. Der SW von U., die Landschaft Wiru (ebenso wie die kleine vorgelagerte Insel genannt), wurde nach Verpflanzung der Bevölkerung zum Forst- und Jagdreservat gemacht, zumal dort die Glossina palpalis (s. Tsetsefliegen), aber noch nicht die Schlafkrankheit (s.d.) vorkam. Die an Zahl zurückgehenden Wakerewe (s.d.) wurden 1911 auf 30 000 geschätzt. Als Ersatz wandern Wakara (s.d.) ein. Außer 6000 Rindern ist viel Meinvieh auf der Insel. Große Fortschritte hat auf U. in den letzten Jahren der Anbau von Baumwolle gemacht, der auf der Pflanzung Marienhof der Weißen Väter (s.d.) und in Eingeborenenkulturen eifrig betrieben wird.

Uhlig.