Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 559

Typhus, Unterleibstyphus, Abdominaltyphus (nicht zu verwechseln mit Flecktyphus, s.d.). Er wird durch den T.bazillus verursacht, der durch mit den Abgängen von T.kranken verseuchtes Wasser oder andere Genußmittel (Milch, Salat, Gemüse usw.) übertragen wird. Die Hauptkrankheitserscheinungen sind hohes Fieber, Durchfälle, zunehmende Schwäche und Abmagerung ev. auch Darmblutungen. Der T. kommt in allen Breiten vor, findet aber in manchen Tropengegenden aus klimatischen und hygienischen Gründen oft besonders günstigen Boden für seine Ausbreitung. So herrschte er in Deutsch - Südwestafrika während des Feldzuges sehr heftig und ist dort noch vorhanden; in Deutsch-Ostafrika beginnt er seit einigen Jahren sich gleichfalls -besonders an den Bahnen - einzunisten. Die Bekämpfung des T. hat hauptsächlich durch allgemeinhygienische Maßnahmen zu erfolgen. Bei Ersterkrankungen ist durch bakteriologisch geschulte Ärzte möglichst bald die Quelle der Infektion festzustellen. Kranke sind entsprechend zu isolieren, die Abgänge zu desinfizieren; da auch scheinbar Gesunde T.Bazillen oft jahrelang ausscheiden können, wird die Erkennung der für eine Epidemie Verantwortlichen und die Bekämpfung vielfach erschwert. Durch Impfung mit spezifischen Impfstoffen (lebende oder abgetötete T.bazillen oder Extrakt aus solchen) kann man für einige Zeit einen gewissen Schutz. gegen T.infektion erreichen (s. Schutzimpfung). Heilsera zur Behandlung gibt es nicht; diese beruht hauptsächlich auf Bettruhe, Wasserbehandlung, strenger Diät.

Martin Mayer.