Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 558

Turu, Landschaft der abflußlosen Gebiete des Hochlandes von Deutsch-Ostafrika. T. wird von der Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) durchschnitten und liegt zu 4/5 seiner rund 12 000 qkm betragenden Fläche oberhalb von ihr. Hier beträgt die mittlere Meereshöhe im N etwa 1800, senkt sich zuletzt zur Südgrenze auf etwa 1300 m. Am Fuß der Bruchstufe hat da s vom Mpondi (s. Bubu) südwärts durchflossene Land Mittelhöhen von 1300 - 1100 m. T. ist Urgesteins-, hauptsächlich Granitland. Die Hochebene wird von flachen Rücken durchzogen, in denen das feste Gestein vielerorts in grotesken Felsgruppen aus dem rötlichen Verwitterungsschutt herausragt. Die breiten Talmulden, sind mit dunkleren, feinerdigen, fruchtbaren Böden gefüllt. Gegen die Bruchstufe hin steigt das Land in 2 - 3 km breiter Aufwulstungszone an. Die Niederschläge sind nicht groß, aber für den Ackerbau ausreichend. Der 1908 gegründete Posten Singidda (1650 m ü. d. M.) in der Nähe des kleinen, gleichnamigen, salzigen Sees hat 449 mm Regen im dreijähr. Mittel, steht damit wohl unter dem Durchschnitt der Landschaft. Wo das Land nicht angebaut ist, wird es von ziemlich dichtem Busch, im W auch von Trockenwald bedeckt. Die Zahl der Bewohner, der Wanjaturu (s.d.), ist auf etwa 110 000 zu schätzen, was der Volksdichte 9 entsprechen würde. Das Land ist gut angebaut (s. Iramba), dazu reich an Vieh. Man schätzt 100 000 Rinder, 300 000 Stück Kleinvieh, die Eselzucht ist beträchtlich. T. gehört zum Bezirk Dodoma (s.d.); Singidda (s.o.) ist Sitz eines Offizierspostens, der die Verwaltung von T. besorgt, hat einen Zug der 4. Kompagnie der Schutztruppe.

Literatur: E. Obst, Von Kilimatinde durch die Landschaft Turu nach Mkalama, Mitt. Geogr. Ges. Hamburg XXV, 1911. - v. Prittwitz, Begleitworte zur Karte von Turu (1: 100 000), M. a. d. d. Sch. XXI F, 1911.

Uhlig.