Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 544 ff.

Truk. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Bevölkerung. 3. Europäische Unternehmungen und Verwaltung.

1. Lage und Bodengestaltung. T. oder Ruk, Hogolu, Ola ist eine Inselgruppe der mittleren Karolinen (Deutsch-Neuguinea) zwischen 151° 22' bis 152° 4' ö. L. und 7° 7' bis 41' n. Br., endgültig entdeckt von Duperrey (s.d.) 1824. Sie besteht aus einer Anzahl (etwa 20) basaltischer Inseln von mäßiger Höhe (300 - 400 m) mit 132 qkm Fläche, und ist umrahmt von einem Riff, dem zahlreiche Koralleninseln aufsitzen. Auf Wola, der größten der Basaltinseln, ist auch Amphibohtschiefer festgestellt worden. 6 Durchfahrten führen durch das Riff hindurch in die Lagune hinein, die etwa 60 km mittleren Durchmesser und bis 61 in Tiefe aufweist. (Deutsche Seekarte Nr. 115.) - Auf Truk befindet sich eine Regierungsstation. Über Klima, Pflanzenund Tierwelt s. Karolinen.

Sapper.

2. Bevölkerung. T. gehört in ethnologischer Hinsicht zum Gebiet der Zentralkarolinen. Es ist dies das Kulturgebiet der weiten Inselflur, die sich zwischen Jap und T. erstreckt und auch die südwestlich von den Palauinseln gelegenen Koralleninseln Bur, Merir, Sonsol und Tobi, ferner die südöstlich von Truk gelegenen Nomoiinseln in sich begreift. Dies Gebiet hat eine nahezu einheitliche Kultur. Diese Einheit gründet sich auf die Gleichheit der Umwelt, der Lebensbedingungen auf diesen Inseln und ferner auf den Güter- und Verkehrsaustausch zwischen diesen Inselgruppen. Drei Bezirke lassen sich in diesem Kulturgebiete unterscheiden: 1. Südwestliche Karolinen: Bur, Merir, Sonsol, Tobi. Häuptlingsorganisation, große Geisterhäuser, Menstruationshütten, Tatauierung nach streng vorgeschriebenen Mustern, Maroweberei für Männer, Mattentracht für Frauen. Indonesische Einflüsse. - 2. Westliche Zentralkarolinen. Ululssi, Fais, Sorol, Aurepik, Oleai, lfaluk, Faraulip, Elato, Lamutrik. Familienorganisation, Menstruationshütten, Männerhäuser, zu denen Frauen keinen Zutritt haben, Tatauierung, züm Teil nach streng vorgeschriebenen Mustern, Weberei breiter, einfach gestreifter Kleidermatten für Männer und Frauen, ausgedehnte Schiffahrt. 3. Östliche Zentralkarolinen. Satuwal, Olol, Piseras, Nomwin, Murilo, Truk, Poloot, Pulap, Tamatam, Hok, Nama, Lossop, Namoluk, Nomoiinseln (Satoan, Lukunor). Familienorganisation, große Häuser für Männer und Frauen, Tanzhäuser, Tatauierung beliebig, Weberei klein gemusterter und gestreifter Matten, Männermäntel (ponchoartig), schwerer Ohrschmuck ausgedehnte Schiffahrt. Die Inselwelt ist mäßig stark bevölkert. Ausnahmen machen Tobi mit 1000 und Truk mit 12000 Seelen. Auf den übrigen Inseln schwankt die Bevölkerungsziffer zwischen 6.0 und 200 auf der einzelnen Insel; die Gesamtbevölkerungsziffer der Zentralkarolinen ist daher auf rund 16500 Seelen Anzusetzen. Die Bevölkerung ist nicht einheitlich, sondern setzt sich aus sehr verschiedenen Elementen zusammen. Die Grundlage bilden wohl kleinwüchsige, kraushaarige Elemeiite, denen man auf allen Inseln begegnen kann, und die auf den hohen Inseln (s. Jap, Ponape), auch auf Truk häufiger sind. Dazu kommt eine melanesische Schicht, die nicht mehr rein angetroffen wird, jedoch in somatischen Merkmalen, im Schädelbau und vor allem in der Sprache deutliche Merkmale zurückließ (s. Melanesier); sie wich oder vermischte sich mit der polynesischen Einwanderung, die in Etappen von den Marshallinseln und Ponape her die Karolinen überzog (s. Polynesier); ähnlich verhielt sie sich zur indonesischen Einwanderung, die als wichtigstes Kulturelement den Webstuhl brachte. Im vergangenen Jahrhundert fanden ferner gelegentlich Vermischungen mit verschlagenen schiffbrüchigen Weißen, Negern und Japanern statt, die auf den kleinen Inseln deutlich ihre Spuren zurückließen. Im allgemeinen sind die Menschen von mittlerer Statur, 160 - 175 cm groß. Die Koralleninsulaner sind stämmiger, kräftiger und 5 - 10 cm größer als die Bewohner der hohen Inseln. Die Hautfarbe ist hell- bis dunkelbraun; vor allem sind die kleinwächsigen Elemente dunkler gefärbt. Das Haar ist schlicht, lockig und auch kraus; bei den Männern wird es mit einem Kamm zusammengehalten. Frauenhaar ist fast immer schlicht oder weitwellig; es wird auf dem Kopf gescheitelt und in einen Knoten zusammengeschlungen. Es ist schwarz und wird wie der Körper reichlich mit Kokosöl gesalbt. Schlichtes Haar wird von den Männern heute vielfach abgeschnitten; die alte Tracht erfordert wie bei den Frauen einen am Hinterhaupt geschlungenen Haarknoten. Das krause Haar wird vielfach in einer Haarwolke getragen. Die Nasenf ormen sind recht verschieden; das Auge ist dunkelbraun. Im allgemeinen besitzen beide Geschlechter ein ansprechendes Äußere. - Der Körper selbst erhält unvergänglichen Schmuck. Die Ohrläppchen werden durchbohrt und zu großen Schlingen erweitert, in die man schweren Schmuck einhängt. Ziernarben, Tatauierung, die namentlich in den westlichen Karolinen in prächtiger Weise ausgeführt werden, erhöhen den persönlichen Eindruck. - Die Gesundheit der Leute ist leidlich; auf den niederen Inseln ist sie ungestört, obschon, abgesehen von der harmlosen Ringwurmkrankheit, hier die Framboesie gelegentlich arg wüstet, auf den hohen Inseln haben die eingeschleppte Tuberkulose, Influenza, Syphilis, Gonorrhoe den Gesundheitszustand der Eingeborenen geschwächt. -Die Sprache der Eingeborenen ist den melanesischen zuzurechnen, sowohl nach dem grammatischen Bau wie dem Wortschatze; polynesische Beimengungen sind jedoch ebenfalls, wenn auch in der Minderheit, vorhanden. - Die soziale Organisation beruht auf dem Sippensystem, den ainangs. Sie ist auf den niederen Inseln sehr einfach, auf Truk der größeren Volksmenge wegen etwas verwickelter. - Etwa 20 Sippen, die sieh in eine Reihe von Familien sondern, verteilen sich über das gesamte Gebiet der Zentralkarolinen, so daß ein und dieselbe Sippe, wie z. B. der ainang Sorr oder Panme auf sämtlichen Inseln Angehörige wohnen hat; einige haben Familienverbände auf Jap, Ponape, Kusaie, den Marshallinseln. - Jede ainang hat ihr Oberhaupt, desgleichen die Familie. Auf jeder der kleinen Inseln ist der Besitz unter 2 - 4 dieser Sippen oder Familien aufgeteilt, unter denen dann eine wegen des größeren Landbesitzes den Vorrang vor den übrigen genießt. Das Oberhaupt dieser Familie, der älteste männliche Vertreter, ist der tamol. Seine Macht ist nicht bedeutend, nur wenn er gleichzeitig die Priester- und Zaubererwürde besitzt, hat er entsprechenden Einfluß. In den letzten Jahren wurde durch die deutsche Regierung. das Ansehen der Häuptlinge gehoben und die bisher maßgebende Demokratie erheblich eingeschränkt. - Die tamol der einzelnen Inseln sind im Range nicht gleich, selbst wenn sie derselben Sippe angehören; in den westlichen Karolinen hat Oleai, in den östlichen Karolinen Poloot den Vorrang. Oleai wiederum ist Poluat nachgeordnet. - Die Ehe ist eine Kaufehe und mit wenigen Ausnahmen monogam. Heirat in der gleichen Sippe und Familie, die jede für sich ein Totem besitzen, ist verboten und wird als Blutschande mit dem Tode bestraft. - Pubertätsweihen finden nicht mehr statt; als Rest hat sich bei den Mädchen der Kleidungswechsel erhalten. Nach dem Eintritt der ersten Menstruation trägt das Mädchen die Weibermatte, während vorher in den Gürtel eingeklemmte Blattbüschel das einzige Bekleidungsstück bilden. Gleichzeitig beginnt man mit der Tatauierung. - Die Leichenbestattung ist verschieden. Vornehme Tote werden im Boden, zum Teil in Steinkistengräbern beigesetzt; gewöhnliche werden in die See versenkt. Den Leichen werden Beigaben, Schmuck, Lebensmittel mitgegeben. - Krankheiten heilt der Priester; er versöhnt den Krankheitsdämon, beschwört ihn mit. Gebeten oder treibt ihn durch Schlagen des kranken Körpers aus. -Die Religion ist Deismus, der stark mit animistischen und manistischen Ideen versetzt ist. Diese Glaubensformen überwiegen in Truk und den südwestlichen Karolinen. - Der einzige hohe Gott, der einäugige Eluelap (großer Geist), gebietet einer Anzahl von Untergöttern, von denen jeder einen bestimmten Machtbereich hat. So gibt es Luftgötter (Vegetationsdämonen), Erde, Unterwelt- und Seefahrtsgötter. Das Leben der Menschen steht in der Hand Eluelaps, der den Lebenslagen des Menschen von einer Frau Litafior Spinnen und von der Olaigusso abschneiden läßt, was den Tod des Menschen bedeutet, dessen Seele dann zum Himmel wandert; hier wird das Totengericht abgehalten, das den Verstorbenen zu den himmlischen Freuden oder zur Verdammnis in der Unterwelt verurteilt. - Die Erzählungen der Eingeborenen sind sehr zahlreich und phantasievoll; sie enthalten Elemente, denen man in Zentralpolynesien, in Hawaii, auch in Melanesien begegnet. In Gestalt von Sagen, M ythen, Erzählungen sind die Überlieferungen erhalten; sie werden meist in freier Form wiedergegeben, doch gibt es auch eine große Anzahl von Epen und Gelegenheitsgedichten in gebundener Form als Totengesang, Gebet, Arbeits- und Beherzigen. Die Hausform ist in den Zentralkarolinen verschieden. In den westlichen Zentralkarolinen überwiegt der Japtypus (s. Jap); allerdings sind die Häuser kleiner, niedriger und weniger sorgfältig gebaut, was zumeist an dem spärlichen Baumaterial liegt. Der Mangel an geeigneten Hölzern ist auch die Ursache für die recht primitiven Hütten der östlichen Zentralkarolinen, die zum Teil nur aus vier niedrigen Pfosten bestehen, die ein spitzwinkliges Dach aus Mattengellecht tragen. Matten bilden auch, die Wandverkleidung. Ein Unterbau fehlt. Auf der reichen Berginsel Truk sind die Wohnhütten infolge der Lässigkeit und Faulheit der Eingeborenen noch schlechter beschaffen als auf den eben genannten Inseln. Davon stechen die Häuser von Nama, Lassos, Namoluk und den Nomoiinseln rühmlich ab, wo man sorgfältig gebaute Häuser mit und ohne Unterbau findet. - Jede Insel besitzt ihr Versammlungshaus; es ist eine große und gut gebaute offene Halle mit fast bis auf den Boden herabhängendem, spitzwinkligem, geradgefirstetem Pultdach. Die Seiten werden bei schlechtem Wetter mit Matten verkleidet; die Binder des Dachgerüstes sind bemalt und beschmutzt mit Ornamenten oder Darstellungen aus dem Eingeborenenleben. - Daneben gibt es noch eine Reihe von Sonderhäusern; so Gebär-, Menstruations-, Material-, Feldhütten. Das Versammlungshaus dient gleichzeitig als Bootshaus. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind infolge der Gleichheit der Umwelt und der Lebensbedingungen einfach und gleichartig. Landbau und Fischerei sind die Haupterwerbszweige der Bevölkerung, daneben haben sich infolge von lokal günstigeren Bedingungen einige Industriezentren herausgebildet. - Landbau wird von den Frauen betrieben, die Taro, Süßkartoffeln, Bananen und Gelbwurz anbauen, während das Anpflanzen von Kokospalmen, Brotfruchtbäumen, Tabak von den Männern besorgt wird. In Sammelwirts besorgen die Frauen Früchte von Papaya, Fikus, Morinda neben verschiedenen Blattgemüsen. -Fischerei ist mit Ausnahme der Riffischerei, die von Frauen und Kindern betrieben wird, Männerarbeit. Diese Arbeitstrennung wird noch weiter durchgeführt, so daß den Frauen die Weberei, Herstellung der Matten, Segel, die Sorge für den Hausstand, Zubereitung der Speisen usw. obliegt, während Männer die Seilerei, Bootbau, Hausbau, Herstellung der Gebrauchsgeräte, Schüsseln usw. ausführen. Schmucksachen stellen sie gemeinsam mit den Frauen her. - Industriezentren sind Ngula, Fais für die schwarzweißen Toten- und Tanzgürtel, Sorol für Holzschalen, Ululssi, Lamutrik, Poloot, Nomoi für Boote, Nomoi, Namoluk für die Spondylusscheiben, die zu Halsketten, Gärteln, Mantelbesatz über das Gesamtgebiet der Zentralkarolinen verhandelt werden, Truk für plüsc,hartie:e Kopfbinden, gegorene Brotfrucht, GelbWurz, Sog für Schildpattschmuck. Diese Erzeugnisse werden von Insel zu Insel im Tauschverkehr abgegeben;,als Geld kommt nur der Teik in Betracht, kegelförmige. Gelbwurzpakete verschiedenster Größe, deren Wert zwischen 0,5 - 20 M schwankt. - Die rechtlichen Verhältnisse sind geregelt. Das in der Männerversammlung gefällte Urteil vollstreckt der tamol. Es besteht ein Familien-, Ehe-, Körper-, Eigentums-, Erb-, Pacht- und Fischereirecht. Blutrache, Frauenraub, gelegentlich auch Expansionsgelüste führen zu Kriegszügen, die noch bis vor wenigen Jahren auf Truk und in Poloot viele Menschenleben kosteten. Noch heute sind die Polooter als Seeräuber im Bereich der Zentralkarolinen gefürchtet. - Dem Spiel ist man nicht abgeneigt, auch nicht dem Tanz, der meist religiösen Zwecken dient (Brotfruchtreife). Unter den Spielen ist der auf religiöser Grundlage beruhende Spielbootsport besonders interessant. Sitz-, Reigen-, Stab-, Maskentänze gibt es nur noch auf den Mortlockinseln, sie werden mit Musik begleitet; dazu dienen gesungene Lieder und Melodien, die auf der Querpfeile, der Mund- und Nasenflöte geblasen werden. Das Tritonshorn wird als Signalinstrument benutzt. - Die materielle Kultur ist sehr einfach. Die Kleidung besteht bei den Männern aus einer Kleidmatte, die zu einer Maro zusammengefaltet ist. Auf den östlichen Zentralkarolinen bekleidet man sich außerdem mit einem ponchoartigen Mantel, der oft prächtig mit roten Spondylusscheiben benäht wird. Frauen und heiratsfähige Mädchen bedecken sich mit breiten gewebten Kleidmatten; die kleinen Kinder geben nackend. Größere Knaben tragen einen Maro und Mädchen eine Hüftschnur, in die vorn und hinten ein Blattbüschel eingeklemmt wird. Auch benutzen sie Grasschurze. - Schmuck ist reichlich vertreten. Das dazu verwendete Material ist spärlich, doch weiß der Eingeborene durch geschickte Zusammenstellung der Materialien sich reizvolle Halsketten, Ohrgehänge, Armringe, Brusthänger, Leibgürtel usw. herzustellen. Verwendet werden Kümmerformen der Kokosschale, Schildpatt, Tridacna, Conus, Trochus, Peeten. und die am meisten geschätzte Spondylusmuschel. Frischer, stark duftender Blumenschmuck wird in die Ohrschlingen gesteckt; desgleichen verarbeitet man ihn zu Hals- und Haupt.kränzen. Als Körperbemalung, die zum Schmuck und gleichzeitig als Abwehrmittel gegen die Mücken dient, benutzt man das Gelbwurzpräparat, den erwähnten Teik. Die Tatauierung wurde eingangs besprochen.- Das Hausgerät ist einfach. Die Gefäße bestehen aus Brotfruchtholz. Ihre Formen sind sehr mannigfach, typisch sind die kurzen, nasenähnlichen Handgriffe. In Truk stellt man Schüsseln von 1 - 1 1/2 ccm Inhalt her, die bei festlichen Gelegenheiten in feierlichem Umzuge einhergetragen werden. Sie sind rot bemalt und dauerhaft lackiert. Löffel und Messer stellt man sich aus Kokosschalen, Perlmutter, Nautilus und Knochen her, wenn man nicht europäische Waren verwendet, die im übrigen auch die alte Kleidung, Schmuck -und Hausgerät verdrängen. Schemelartige Kokosschaber, Trinkschalen aus Kokosnuß, Körbe und Matten vervollständigen den Hausrat, in dem das gewebte Moskitonetz besonderes Interesse verdient. Gekocht wird im polynesischen Ofen. Das Handwerksgerät ist völlig europäisch; die alten Muschelbeile, Knochen- und Muschelmesser, Pfriemen, Haizahndrillbohrer usw. sind wie der Feuerhobel fast verschwunden. Technisch intertssant ist die Gewinnung eines Lacks und Firnisses aus Parinariumnüssen. Mit ihm. werden die verwendeten roten und schwarzen Erd- und gelben Ingwerfarben widerstandsfähig gemacht. Schutzwaffen sind unbekannt. Unter den Angriffswaffen steht die Schleuder obenan, dann folgen Zackenkeulen, die auf haizahnbewehrte Keulen zurückgehen, glatte Keulen, glatte oder gezähnte Holzspeere, Rochenstachelspeere; für den Nahkampf wurden Reißdolche und zahnbewehrte Schlagringe benutzt. -Die Fischerei (s.d.) ist den Lebensbedürfnissen der Eingeborenen entsprechend vorzüglich ausgebildet. Man kennt gegen 80 Fischereimethoden, die mit Handnetzen, Schleppnetzen, Streichnetzen, Hamen, Fischspeeren, Reusen, Wehren und Gift betrieben werden. Der Vogellang mit Netzen, Schleudern und Leimruten hat eine untergeordnete Bedeutung. - Als Fahrzeug verwendet man das Auslegerkanu. Der bei Jap. (s.d.) beschriebene Typus des Gabelschwanzkanus ist bis Truk hin verbreitet. In Truk sind die Bootaufsätze anders; sie verkörpern hier das Wappen: zwei sich schnäbelnde Seeschwalben. - Die Zentralkaroliner sind ausgezeichnete Seefahrer (s. Schiffahrt der Eingeborenen), die vorzügliche astronomische Kenntnisse besitzen und sich das Strömungssystem, die Richtungen der Dünung für ihre nautischen Zwecke zunutze machen. Zur Zeitbestimmung benutzen sie die Mondphasen. Größere Zeitabschnitte werden nach Gestirnen benannt (s. Schiffahrt der Eingeborenen).

Thilenius, Hambruch.

3. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. T. gehört zum Bezirk der Ostkarolinen (s.d.) und ist demgemäß dem Bezirksamtmann in Ponape unterstellt. Die lokale Verwaltungstätigkeit auf T. übt ein Stationsleiter aus, der auf der Insel Toloas seinen Sitz hat. Seit einiger Zeit ist auch ein Regierungsarzt in der Inselgruppe stationiert. Die Missionierung von T. lag bis vor kurzem ausschließlich in den Händen der protestantischen Liebenzeller Mission (s. d.). Neuerdings haben aber auch die katholischen Kapuziner (s.d.), die ihren Hauptsitz auf Ponape haben, ihre Missionstätigkeit daselbst aufgenommen. Die Missionen haben auf den Inseln an ihre Stationen Schulen angeschlossen. Regierungsschulen befinden sich auf der Gruppe noch nicht, es soll aber eine solche 1915 errichtet werden. Die weiße Bevölkerung auf T. beläuft sich auf 5 Regierungsbeamte, 11 Missionare, einige Kaufleute und Händler. Außerdem sind noch 3 Japaner ansässig. Hinsichtlich der Eingeborenen sind die Zählungen noch nicht vollständig abgeschlossen. Gezählt sind im ganzen 8449 Menschen auf den Inseln Udot, Eot, Ojal, Eten, Wola, Romolum, Wela - Tolos, Tol, Falabenas, Pwele, Pata, Tatu, Perem, Tsis, Fefän. Es fehlen noch die Inseln Pis mit annähernd 300, Toloas mit etwa 1500, Uman mit ca. 700 Menschen, so daß die Gesamtbevölkerung auf rund 11 000 Personen geschätzt werden kann (Amtsblatt für DeutschNeuguinea vom 1. Dez. 1913 S. 271). An europäischen Unternehmungen befindet sich auf T. nur die Agentur der Jaluit-Gesellschaft, außerdem ist daselbst noch eine Zweigniederlassung der japanischen Südsee-Handelsgesellschaft. Der Haupthandelsartikel ist die Kopra. Daneben werden noch in geringem Maße Erzeugnisse des Meeres, wie Perlschalen, Schildpatt u. dgl., eingehandelt. Die Gruppe hat mit der Außenwelt einen regelmäßigen Verkehr durch den etwa sechsmal jährlich vorlaufenden Dampfer "Germania" der Jaluit - Gesellschaft. Am Sitz der Regierungsstation befindet sich auch eine Postagentur. Telegraphen- oder drahtlose Stationen befinden sich auf T. noch nicht.

Krauß.

Literatur: Ergebnisse der Südseeexpedition der Hamburgischen wissenschaftlichen Stiftung, 1914 ff.