Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 543

Tropisches Beingeschwür (Ulcus tropicum). Es handelt sich dabei um ganz charakteristische Geschwüre, die in vielen Tropengegenden unter den bloßfüßig laufenden Eingeborenen sehr verbreitet sind und durch die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit wirtschaftlich eine große Rolle spielen können. Sie sitzen stets am unteren Drittel des Unterschenkels, besonders an Knöchelgegend, Ferse, Fußrücken, Zehen. Von kleinen Wunden ausgehend bilden sich bald kreisrunde, scharf umgrenzte Geschwüre aus, die allmählich nach den Seiten und in die Tiefe weiterwuchern und so innerhalb einiger Wochen zu weitgehenden Zerstörungen führen können. Die Oberfläche, die leicht blutet, ist meist von einem schmierigen übelriechenden Belag bedeckt. Die Erreger sind gewisse Spirochaeten (s. Protozoen) und mit ihnen vergesellschaftete Bakterien (s.d.). Die Behandlung muß möglichst frühzeitig einsetzen (wöchentliche Fußkontrolle der Plantagenarbeiter durch Arzt oder Heilgehilfen sehr empfehlenswert); sie ist je nach dem Grade der Ausdehnung eine antiseptische oder chirurgische. Auch der Laie kann durch langdauernde heiße Seifenbäder und darauffolgende Verbände mit antiseptischen Mitteln (Jodoform, Jodtinktur usw.) das Leiden oft erfolgreich behandeln, wo kein Arzt am Orte ist; in manchen Gegenden hat sich Salvarsan (s.d.) als sehr wirksam erwiesen, wobei der hohe Preis durch die Abkürzung der nötigen Behandlungszeit vollauf aufgewogen wird.

Martin Mayer.