Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 534 f.

Triangulation. Unter diese Bezeichnung entfallen alle diejenigen geodätischen Arbeiten, die erforderlich sind, um für die Vermessung und genaue Kartierung eines Landes die unerläßlichen Unterlagen zu schaffen. Sie richten sich auf die Gewinnung einer größeren Anzahl von nach Länge, Breite und Seehöhe genau bestimmten, ober- und unterirdisch dauerhaft vermarkten festen Punkten durch Winkelmessungen mit einem Theodolit. Die Auswahl dieser Punkte (T.punkte) erfolgt derartig, daß die Verbindungslinien zwischen ihnen eine Reihe, von einander berührenden Dreiecken, bei denen zu spitze Winkel vermieden werden müssen, bilden. Die in einer Richtung sich aneinander anschließenden Dreiecke nennt man eine T.kette. Durch Verbindung der einzelnen Ketten mittels weiterer Winkelmessungen entsteht dann eine gleichmäßige Bedeckung des ganzen Geländes mit Dreiecken, die als T.netz bezeichnet wird. Zu jeder T. gehört die Vermessung einer oder mehrerer Basislinien, d.h. der geradlinigen Verbindung zweier im Gelände durch unterirdische Vermarkung jederzeit wieder auffindbarer Punkte, die mehrere (ca. 3 - 8) Kilometer von einander entfernt liegen. Je schärfer die Vermessung sein soll, desto genauer muß die Messung der Basis durch besondere Basismeßapparate oder durch Nickelstahl (Invar-) drähte vorgenommen werden. Von diesen Basisendpunkten läßt sich dann durch Winkelmessungen im Umkreis von ca. 200 km die Lage beliebig vieler Punkte rechnerisch scharf ermitteln. Die zuerst mit tunlicher Präzision gemessenen Dreiecksnetze von großer Seitenlänge (ca. 30 - 70 km) bilden die T. erster Ordnung, an die sich dann stufen.weise je nach der Länge der Dreiecksseiten und der Schärfe der Messung der Winkel die T. zweiter und dritter Ordnung anschließen bis hinab zu der für die Katastervermessung benötigten Kleintriangulation durch Landmesser, die nur noch mit Dreiecken von 2 km und weniger Seitenlänge operiert. Ist in einem Staat ein derartig sich abstufendes Netz von Dreiecken durch T. geschaffen und damit eine große Anzahl von Punkten nach geographischer Länge und Breite rechnerisch genau festgelegt, so bezeichnet man das ganze System dieser kostspieligen und lange Zeit in Anspruch nehmenden Vermessungen als Landestriangulation. Gebraucht man für eine T. nicht scharfe Meßmethoden, begnügt man sich vielmehr mit in roher Weise durch Abschreiten oder mit dem Meßband flüchtig gemessenen Basislinien und mißt man die Winkel mit dem Peilkompaß oder mit sonstigen einfachen Instrumenten, so entsteht die sog. flüchtige T., die für die Aufnahme von Neuländern immerhin einen gewissen Wert besitzt. S.a. Landkarten.

Danckelman.