Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 478

Texasfieber (Rindermalaria, Blutharnen, Hämoglobinurie, Rotwasser = Redwater, Tick fever, Tristeza) ist eine durch ein Piroplasma (P. bigeminum) verursachte, zuerst beim Texasvieh in den Vereinigten Staaten studierte seuchenhafte Erkrankung der Rinder, die in tropischen und subtropischen Gegenden weit verbreitet ist. Das T. wird übertragen durch Zecken (s.d.), in Amerika durch Rhipicephalus annulatus, in Afrika durch Rh. appendiculatus (blaue Zecke). Der Ansteckungsstoff geht von den Zeckenweibchen, die an kranken Rindern Blut gesogen haben, auf die Eier und die hieraus sich entwickelnden Larven über. Die Larven der Zecken setzen sich auf Gräsern fest und finden hier Gelegenheit, auf weidende Rinder überzugehen. Die Zeit, die vergeht, bis durch die Brut einer infizierten weiblichen Zecke Krankheitserscheinungen bei gesunden Rindern hervorgerufen werden, beträgt insgesamt etwa 45 Tage und setzt sich zusammen aus der Zeit der Entwicklung der Zeckenlarve und dem eigentlicher Inkubationsstadium der Krankheit; erstere beträgt 30, letzteres 10-15 Tage. Die Krankheitserscheinungen bestehen in hohem Fieber, bei. Kühen in starkem Nachlassen der Milchabsonderung, ferne in schwankendem Gange, Muskelzittern und vor allen Dingen in dem Absatz braunroten bis schwarz roten Harnes (Rotwasser). Die Krankheit kann schon in wenigen Tagen mit dem Tode endigen; in leichteren Fällen kann nach. mehreren Wochen wobei die Tiere stark abmagern, Genesung eintreten. Am leichtesten verläuft die Krankheit bei jungen Tieren, die nur einige Tage hindurch krank erscheinen, dabei keinen rot- oder braungefärbten Harn absetzen, sondern nur verminderte Freßlust, Mattigkeit und Gelbfärbung der sichtbaren Schleimhäute zeigen. In Gegenden, in denen das T. heimisch ist, sind die Verluste an der Krankheit gering, weil die Tiere, in der Jugend durchseuchen. Kommen aber in solche Gegenden Tiere aus anderen Gegenden, in denen das T. nicht heimisch ist; so sterben diese in großer Zahl unter den ausgesprochenen Erscheinungen des T. Die Verluste betragen 50% und darüber. Ferner kann die Krankheit durch anscheinend gesunde Tiere aus T.gegenden in andere Gegenden eingeschleppt werden dadurch, daß die von den anscheinend gesunden, in Wirklichkeit aber noch Piroplasmen beherbergenden Tieren abfallenden Zecken durch ihre Brut auf gesunde Rinder die Krankheitskeime übertragen. Durch unbedachte Einfuhr von Rindern aus T.gegenden ist die Krankheit in bis dahin seuchenfreie Gegenden eingeschleppt worden, so unter anderem im Jahre 1871 mit Rindern aus Madagaskar nach Südostafrika, wo das T. jetzt im ganzen Osten der südafrikanischen Union und im Transvaal eine ständige Geißel bildet. Das T. kann durch Trypanblau mit Erfolg behandelt werden. Ferner kann die Seuche bekämpft werden durch Vernichtung der Zecken auf die bei dem Küstenfieber angegebene Weise (Grasbrennen und vor allem Zeckenbäder) oder durch Bespritzen der Tiere mit zeckentötenden Mitteln. Um Tiere aus unverseuchten Gegenden zur Aufkreuzung in T.gegenden einführen zu können, wird mit Erfolg, die Impfung mit Blut durchgeseuchter Tiere angewendet. Wenn die mit Blut geimpften Tiere nach einiger Zeit auf verseuchte Weiden verbracht werden, erkranken sie vorübergehend, erlangen aber dadurch eine dauernde Widerstandsfähigkeit gegen eine weitere Erkrankung an T. Wo das T. nicht herrscht, ist die Einfuhr von Rindern aus T.gegenden streng zu verboten.

v. Ostertag.