Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band III, S. 474

Tembe, Literaturbezeichnung für eine über einen großen Teil Deutsch-Ostafrikas (Ussangu, Uhehe, Ugogo, Unjamwesi, die Gegend um Ejassi- und Manjarasee) verbreitete Wohn- und Siedlungsform. Die einfachste Tembe ist ein etwa 2 m hohes, bis 3 m tiefes und verschieden langes Haus von der Form eines gedeckten Güterwagens, mit etwas gewölbtem oder schräg geneigtem Dach. Die Wände bestehen aus einem Flechtwerk von eingerammten Pfählen, Stangen, Ruten und Zweigen mit Lehmverputz außen und innen. In den Gabeln der Tragpfähle ruhen Querhölzer, auf denen das aus verschiedenen Lagen von Zweigen, Gras und festgestampftem Lehm bestehende Dach aufliegt. Im abflußlosen Gebiet im Südosten des Victoria Njansa besteht die T. nur aus einem einzigen, vom Dach einheitlich überdeckten Raum; in ihrem übrigen Verbreitungsgebiet hat sie hingegen die Form angenommen, daß je 2, 3 oder 4 Einzeltemben sich zu einem Gehöft von der Form eines rechten Winkels, eines Hufeisens oder eines Rechtecks zusammenschließen, wobei die einzelnen "Zimmer" sich alle auf den eingeschlossenen Hof öffnen, während nach außen zu nur eine oder wenige Pforten führen. Der Hof dient dem Vieh als Nachtaufenthalt. - In Unjamwesi scheint die T. noch neu zu sein, denn dort dient sie der alten zylindrischen Kegeldachhütte nur als Umwallung. In Ussangu, Uhehe und Ugogo tritt sie in der geschlossenen Hofform auf. Auch nach Usafua ist sie durch die Wassangu getragen worden. Utengule unter dem Mbejaberg und das neue Utengule in Südussangu sind beides Tembenanlagen von riesiger Ausdehnung. Bei beiden ist die Außenmauer durch eine innere Parallelwand zu einer T. ausgebaut, die nach Zache Tausenden von Menschen und Vieh Unterschlupf gewährt. In Iraku, Ussandaui, Turu, Umbugwe und Ufiome ist die T. teilweise oder ganz in den harten Erdboden hineingebaut worden (versenkte T .). Furcht vor den Massai und Schutz vor den heftigen Winden scheinen die Beweggründe für diese Bauart zu sein (s.a. Befestigungen). - Die Herkunft der T. ist vielumstritten. v. Luschan nimmt vorderasiatischen Ursprung an; Baumann und Weule lassen sie aus der Rundhütte hervorgehen und dem Bedürfnis, deren leicht entzündbares Steildach durch ein schwerer brennbares Flachdach zu ersetzen. Dieses schwere Dach ist mit der Rundhütte unvereinbar. Stuhlmann nimmt neuerdings nordafrikanischen, hamitischen Ursprung an, wenigstens für die einheitlich gedeckte Form des Manjaragebiets, während die Hof-T. nach ihm aus der einfachen Palisadenumwallung in der Weise entstanden ist, daß man, um diese Mauer wirtschaftlich zu nutzen, eine Parallelwand errichtete und das Ganze überdeckte.

Literatur: v. Luschan, Beiträge zur Ethnographie des abflußlosen Gebiets von Deutsch-Ostafrika (in Werther, Die mittleren Hochländer des nördlichen Deutsch-Ostafrika). Berl. 1898. - Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894. - Stuhlmann, Handwerk und Industrie in Ostafrika. Hamb. 1910. - Weule, in Hans Meyer, Das deutsche Kolonialreich, Bd. 1. Lpz. 1909.

Weule.