Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 469 ff.

Tee. 1. Botanisches; Produktion. 2. Kultur. 3. Aufbereitung. 4. Chemie. 5. Handelssorten. 6. Anbau in den Schutzgebieten.

1. Botanisches; Produktion. T. nennt man die Blätter des chinesischen Teestrauchs, Thea sinensis L. (Fam. d. Camelliaceae) und seiner Varietät, des Assamtees, T. sinensis var. assamica. Beide sind in Kultur weit verbreitet; wild kommt ersterer auf der Insel Hainan, vielleicht auch in Tonkin, letzterer in der Landschaft Assam am Südabhang des Himalaya vor. Über die Botanik des T. herrscht in der Literatur eine weitgehende Konfusion (Semler); hier sei deshalb bemerkt, daß die häufig als eigene Arten bzw. Varietäten aufgeführten Kultur- oder Standortsformen: T. Bohea und T. viridis, von denen erstere den schwarzen, letztere den grünen T. liefern sollen (s.u.), botanisch weder als Arten noch als Varietäten aufrecht erhalten werden können, sondern restlos unter den Begriff der T. sinensis fallen, und daß als einzige wohlcharakterisierte Varietät der letzteren nur noch der Assamtee bestehen bleibt. In der Kultur stets in niedriger Buschform gehalten, wächst der chinesische T., wenn man ihn schießen läßt (Samenpflanzen, s.u.), zu einem dichtbelaubten, immergrünen, pyramidenförmigen Baumstrauch bis zu etwa 4 m Höhe heran; der Assamtee wird erheblich größer und bildet in wildem Zustande einen stattlichen Baum von 7 - 15 m Höhe. Beide haben weiße, manchmal schwach rosa angehauchte Blüten, die einzeln oder zu 2 - 3 in den Achseln der Blätter sitzen (Abb. bei Rein). Frucht eine holzige, dreifächerige Kapsel, mit je einem kugeligen Samen in jedem Fach. Das Teeblatt ist lederig, breitlanzettlich, am Rande grob gesägt (Abb. bei Semler); beim Assamtee läuft es in eine längere Spitze aus, ist zarter und dunkler gefärbt. Außerdem hat der Assamtee längere Blätter (12 - 22 cm) als der chinesische (bis 12 cm). - Die Teeproduktion der Erde konzentriert sich im wesentlichen auf die tropischen und subtropischen Gebiete Asiens; die dortigen Produktionsländer rangieren nach der fallenden Höhe der Teeausfuhren angeordnet wie folgt: Britisch-Indien, China, Ceylon, Japan, Java und Formosa. Als einziges außerasiatisches Produktionsgebiet von Belang ist Natal zu nennen. In kleinem Rahmen wird T. auch in Annam, Tonkin, auf Fidji und einigen ostafrikanischen Inseln, auf San Miguel (Azoren) und bei Batum am Schwarzen Meer gewonnen. (Über Teeproduktion und -verbrauch bei Semler, Du Pasquier, Berteau u. Tropenpflanzer 1911, 687.) In Britisch- und Niederländisch - Indien wird vorwiegend Assamthee gebaut.

2. Kultur. Anbau (Näheres bei Rein, Semler, Schulte im Hofe, Fesca, Bald). Die Teepflanze ist ihrer Herkunft nach ein subtropisches Gewächs; sie kann daher auch einen milden Winter gut vertragen. Für das tropische Tiefland eignet sich die Kultur nicht vielmehr wird der T. in den Tropen nur als Höhenpflanze und zwar bis zu 2200 m Mh. angebaut. Die Erträge nehmen mit steigender Höhe ab, die Qualität des Blattes aber verbessert sich. In den Tropen verlangt der T. nicht unter 2000 mm jährlichen Regenfall bei möglichst gleichmäßiger Verteilung. Längere, absolute, Trockenperioden kann er nicht vertragen. Assamtee scheint sich für die Tropen besser zu eignen, als chinesischer. Auch Bastarde beider Formen werden kultiviert, namentlich in kühleren Höhenlagen. Der Boden muß tiefgründig, gut durchlüftet und frei von stagnierendem Grundwasser sein; bezüglich des Nährstoffgehalts stellt der T. keine besonders hohen Ansprüche. (Auf Java und Ceylon werden mit gutem Erfolg ehemalige Kaffeländereien, auf denen Kaffee nicht mehr gedieh, zur Teekultur benutzt.) (Düngung vgl. Schulte im Hofe, Fesca). Fortpflanzung durch Samen, wofür Samenbäume besonders herangezogen werden. Aussaat entweder ins Feld oder in Saatbeete; im letzteren Fall wird meist nach 5 - 7 Monaten ausgepflanzt. Pflanzweite 1 - 1 1/3 m. Zur Erzielung möglichst großer Blattmassen muß der Teestrauch regelmäßig beschnitten werden; man hält ihn 1/2 bis höchstens 1 1/2 m hoch, je nach Standort. Das Beschneiden erfolgt, je nach Höhenlage, in Zeitabständen von 12 - 30 Monaten, beim chinesischen T. in kürzeren Intervallen, als beim Assamtee. Falls Beschneiden regelmäßig und rechtzeitig erfolgt, liefert der Teestrauch bis in ein hohes Alter - angeblich bis zum 80. Jahr - befriedigende Ernten. Beschattung wird selten, und nur in tieferen Lagen angewandt. Schattenbäume beeinträchtigen den Lichtgenuß der Teeblätter; außerdem sollen die von den Bäumen abrinnenden Regentropfen den Teeblättern schädlich sein. Ernte. In Java werden die ersten Ernten schon nach 2 1/2 Jahren gemacht, in Japan zwischen dem 3. und 5. Jahr; die Erträge nehmen in Java bis zum 20., ja 30. Jahre zu und dann allmählich ab, in Japan werden Vollerträge etwa im 10. Jahre erreicht und halten sich unter günstigen Umständen sehr lange auf der Höhe. In anderen Produktionsländern liegen die Termine anders, je nach Klima, Höhenlage usw. Wo keine ausgesprochenen Trockenperioden herrschen, wird das ganze Jahr hindurch geerntet, doch liefert die Pflanze in regenreichen Zeiten größere Mengen von Blättern, als in regenärmeren. Die Ernte beginnt, wenn die jungen Triebe 5 - 6 Blätter entfaltet haben. Man kneift die Triebspitzen mit den Blattknospen und den obersten beiden Blättchen gesondert ab und die übrigen 3 Blätter an ihrem Grunde. Das unterste Blatt wird nur zu etwa 3/4 seiner Ausdehnung abgekniffen, damit in seiner Achsel neue Triebe sich bilden können (Ernteschema bei Schulte im Hofe, Fesca). - Erträge (Abhängigkeit von der Höhenlage s. o.) : in Java je nach Höhenlage 1600 - 5000 kg frische Blätter pro Hektar, in Japan durchschnittlich 2250 kg; Ausbeute an marktfähigem T. 20 - 25 %. - Wichtigste Krankheiten und Schädlinge (bei Cootes): a) Pflanzliche Parasiten: Exobasidium vexans, Erreger der Blasenkrankheit ("Blister blight") und E. reticulatum; Colletotrichum camelliae, Erreger der Gelbfleckenkrankheit ("Run blight"); Pestalozzia Guepini erzeugt die Graufleckenkrankheit ("Grey blight"); Cephaleuros virescens die Rindenkrankheit ("Red rust"); Rosselinia radiciperda eine Wurzelerkrankung; Stilbum nanum die sog. Fadenkrankheit ("Thread blight"). b) Tierische Schädlinge: Blattläuse, Schildläuse; Blattwanze ("Mosquito blight") Helopeltis theivora, Blattraupen, Parasia lepida und Natada nararia, Spinnmilbe ("Redspider", "Roode mijt"), Tetranychus bioculatus; Larve von Lachnosterna impressa (einer Art Engerling), Bohrkäfer: Xyleborus formicatus, Zeuzera coffeae.

3. Aufbereitung. Für den Handel werden zwei Sorten T. hergestellt: schwarzer oder Brauntee und grüner T. Früher nahm man irrigerweise an, daß diese Sorten von zwei botanisch verschiedenen Varietäten der Teepflanze (s.o.) geliefert würden. Entscheidend für die Gewinnung von schwarzem oder grünem Tee ist jedoch ausschließlich die Behandlung des Blattes. Beide Sorten lassen sieh auch sowohl aus chinesischem wie aus Assamtee herstellen. Die Behandlung ist in den einzelnen Produktionsgebieten verschieden (Spezialliteratur). In Westjava gestaltet sie sich folgendermaßen: I. Schwarzer Tee. 1. Welken der am Tage geernteten und abends zur Fabrik gelieferten Blätter während der Nacht; falls noch nicht genügend, morgens noch fortgesetzt, ev. unter Zuhilfenahme heißer Luft, auf Drahtnetzen oder Matten. (Anwelken in der Sonne hier und da üblich, aber nicht empfehlenswert.) Dauer des Welkens bis 24 Stunden, ohne Anwendung künstlicher Wärme ev. noch länger. Durch das Welken werden die Blätter schlaff und zum Rollen geeignet. 2. R ollen, geschieht in modernen Betrieben nur mit Maschinen (in älteren Produktionsgebieten vielfach noch mit der Hand); Dauer 1/2 bis 1 1/2 Stunden, je nach Örtlichkeit und Witterung. Die Blätter erhalten hierbei die bekannte gedrehte Form, die Gewebe und Zellen zerreißen, der Saft tritt teilweise an die Oberfläche und wird dadurch mit der Luft in Berührung gebracht. 3. Fermentation. Die Blätter werden in Schichten verschiedener Stärke auf Hürden ge schichtet, die in Abständen von ca. 20 cm Entfernung übereinander angebracht sind. Oben und an den Seiten werden die Schichten durch Bambusmatten oder Tücher abgeschlossen, um gleichmäßige Temperaturen zu erzielen und Wind abzuhalten. Die Blätter erwärmen sich, die anfänglich grüne Farbe geht in Braun über. Man fermentiert "auf Farbe". Dauer der Fermentation je nach Örtlichkeit, Witterung des Tages und nach Temperatur der Blättermasse verschieden; z.B. bei 35 bis 40° C: 40 - 60 Minuten, bei 23 - 30° C: 2 - 6 Stunden. (Muß auf jeder Teepflanzung durch Versuche ermittelt werden!) Nach der Fermentation wird nötigenfalls noch einmal gerollt. Alle diese Manipulationen müssen schnell hintereinander erfolgen und erfordern ein sehr geübtes Personal. 4. Sieben mit besonderen Sortiermaschinen, die 5 - 6 Siebe von verschiedenen Maschenweiten führen. Dabei ergeben sich, je nach Größe des Blattes, die einzelnen Handelssorten (s.u.). 5. Trocknen bei heißer Luft von 77 - 100° C. 6. Sortieren mit der Hand, zur Ergänzung von 4, für besondere Ansprüche des Marktes. - II. Grüner Tee. Das Welken und die Fermentation Fallen hierbei weg; die Blätter werden nur gerollt und dann auf Metallpfannen geröstet. Weitere Behandlung wie bei I.

4. Chemie des Tees (vgl. van Romburgh und Lohmann, Nanninga, Schulte im Hofe, Behrens, Du Pasquier). Die wichtigsten Bestandteile des T., welche seinen Wert als Genußmittel bedingen, sind: das Koffein, der Gerbstoff und die das Aroma bedingenden Stoffe. 1. Das Koffein, ein Körper aus der Gruppe der Alkaloide (in der früheren Literatur auch "Thein" genannt) von bekannter anregender Wirkung auf das Nerven- und Muskelsystem (vgl. auch Kaffee, Kakao, Kola, Kath, Mate), ist im Teeblatt durchschnittlich zu 3,1 - 3,3 % enthalten. Junge Blätter sind koffeinreicher, als alte. Auch alle übrigen Teile der Teepflanze führen Koffein. Letzteres ist in den frischen Blättern zum größeren Teil in glykosidisch gebundener Form vorhanden und wird erst durch die Behandlung des Blattes in Freiheit gesetzt (vgl. Du Pasquier). 2. Der Gerbstoff, in den frischen Blättern (auf Trockensubstanz bezogen) zu 13 - 30 % vorhanden, erfährt bei der Behandlung des Blattes eine sehr verschiedengradige Veränderung, je nachdem man schwarzen oder grünen T. darstellt; hier macht sich der Einfluß der Fermentation stark bemerkbar. Dabei wird der größte Teil des Gerbstoffs aus seiner ursprünglichen Bindung abgespalten und gleichzeitig (durch Aufnahme von Sauerstoff) in eine unlösliche Form übergeführt. Nach Kellner (bei Fesca) verlor ein und dasselbe Blatt bei Grünteebereitung rund 18,7, bei Schwarzteebereitung rund 63,8 % seines ursprünglichen Gerbstoffs. Daher schmeckt auch ersterer ungleich adstringierender und herber als letzterer. Hand in Hand mit diesem Prozeß geht während der Fermentation die Braunfärbung des Teeblatts vor sich, bedingt durch die Oxydation. des Gerbstoffs. - 3. Das Aroma des marktfähigen Tees entwickelt sich ebenfalls bei der Behandlung des Blattes und ist dementsprechend beim schwarzen T. anders geartet als beim grünen. Es wird im wesentlichen bedingt durch ein in den frischen Blättern noch nicht gebildetes ätherisches Öl, das im fertigen T. zu 0,6 -1 % vorhanden ist und das an flüchtigen Substanzen u. a. Methylalkohol, Methylsalizylat und Azeton enthält. - Teesamen führen 37,5 % fettes Öl.

5. Handelssorten. Je nach Anzahl der Siebe und Intensität der Sortierung (s.o.) werden mehr oder weniger zahlreiche Marktsorten gewonnen. Ihre Bezeichnung (bei Schulte im Hofe, Martell) ist in den einzelnen Produktionsgebieten nicht immer gleichnamig. Durchschnittlich werden etwa 8 Sorten unterschieden: 1. Flowery Pekko (Witpunt - P.), enthaltend die zarten Blattknospen (nicht aber Blüten, wie in der älteren Literatur zu lesen ist und nach dem Namen "Flowery" vermutet werden könnte); 2. Orange - Pekko, enthält außer Blattknospen noch das erste Blatt; 3. Pekko, enthält entweder nur das erste Blatt großblättriger Formen oder das zweite und die größeren ersten kleinblättriger Formen; 4. Pekko - Souchong, durch ein Sieb von wiederum größerer Maschenweite abgeschieden, besteht entweder aus ersten und zweiten Blättern großblättriger oder nur aus zweiten Blättern kleinblättriger Formen; Farbe dunkler als bei vorigen; 5. Souchong, die bei der Absiebung von 4. zurückgebliebenen Blätter; werden diese unter Druck durch das Sieb gerieben, so erhält man 6. Broken - Pekko und ev. noch 7. Broken Souchong (Broken Tea) und Fannings; wo dritte Blätter geerntet werden, unterscheidet man diese auch als Couchon; 8. Staub (Dust), vor der Sortierung abgesiebt, enthält viele Verunreinigungen und ist minderwertig.

6. Anbau in den Schutzgebieten hat bisher nur versuchsweise in kleinem Maßstabe in Kamerun bei Buea stattgefunden. Die Anpflanzungen sind nicht vergrößert worden, weil es zweifelhaft ist, ob in den günstigen Lagen auf dem Kamerungebirge und den Bakossibergen so große Flächen geeignet und verfügbar sind, daß die Kultur einen Umfang annehmen könnte, der die Anschaffung der kostspieligen Fabrikationsanlagen lohnte. Außerdem steht vorläufig auch die Arbeiterfrage hindernd im Wege.

Literatur: Bein, Japan, Bd. II, Lpz. 1886, S. 129 H. Stade, Geographische Verbreitung des Teestrauchs, Inaug. - Diss., Halle 1890. - van Romburgh u. Lohmann, Onderzoekingen betreffende op Java gecultiveerde Theeen I, II, Batavia 1894; III, daselbst 1895; IV, in Verslag omtrent den staat van's Lands Plantentuin de Buitenzorg 1896 (Batavia 1897); fortgesetzt von Nanninga, daselbst und in Mededeelingen uit's Lands Plantentuin (Batavia) bis 1904. - Semler, Tropische Agrikultur, 2. Aufl., Bd. I, 1897. - J. Kochs, Gattung Thea und der chinesische Tee, Englers Botan. Jahrb. Bd. XXVII, 1900. -Schulte im Hofe, Kultur und Fabrikation von Tee in Britisch - Indien und Ceylon, Beihefte z. Tropenpflanzer 1901. - Ders., Ber. d. Deutsch. Pharmaceut. Gesellsch. 1901 S. 115 ff. - Geo A. Schmidt, Kultur des Tees in Indien, Tropenpflanzer 1903 S. 530 ff. - Fesca, Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen, Bd. I, 1904. Walta, Teekultur im Kaukasus, Tropenpflanzer 1906 S. 790 ff. - J. Behrens, Fermentation des Tees in Lafars Handbuch d. Technischen Mykologie, Bd. I (1907) S. 657. - Du. Pasquier, Beiträge z. Kenntnis des Tees, Inaug. -Diss., Zürich 1908 (mit sehr reichhaltigem Literaturnachweis). - Bald, Indian Tea, its Culture etc., 2. Aufl., 1909. - Berteau, La production du thé dans les colonies francaises in L'agriculture pratique des pays chauds XII, 1912, S. 16 ff. - Martell, Teeanbau auf Java, Tropenpflanzer 1912 S. 439. -Außerdem zahlreiche Aufsätze im Tropenpflanzer, Tropical Agriculturist, Indische Mercuur. - Die Blaubücher der britisch - indischen Verwaltung, speziell die jährlich er-scheinenden "Reports on Tea culture in Assam", erscheinend in Shillong. -Krankheiten und Schädlinge betr.: Cootes, Indian Museum Notes, Bd. III Nr. 4, Calcutta 1897. - F. Zacher, Die wichtigsten Krankkeiten und Schädlinge der tropischen Kulturpflanzen und ihre Bekämpfung, Bd. I. Hamburg 1914.

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