Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 440

Surrakrankheit, eine durch ein Trypanosoma (Tr. evansi) verursachte, seuchenhaft auftretende Erkrankung der Pferde, Maultiere und Kamele in Indien (s.a. Trypanosomen). Außer den genannten Tieren erkranken auch Rinder einschließlich der Zebus, die jedoch für die Krankheit weniger empfänglich sind. Ferner seheinen auch wilde Tiere (Füchse, Schakale und Hyänen) bei der Krankheit insofern eine Rolle zu spielen, als sie den Erreger der Krankheit in ihrem Blute beherbergen können, ohne selbst zu erkranken. Die Übertragung der S. geschieht wie bei der Tsetsekrankheit durch Stechfliegen, und zwar durch Tabanus tropicus, T. lineola, Stomoxys calcitrans und die Hämatopotafliege. Fleischfresser sollen sich auch durch die Aufnahme von Blut oder Fleisch kranker oder gefallener Tiere infizieren können. Die Seuche herrscht in Ost- und Westindien sowie in den angrenzenden chinesischen Gebieten; außerdem wurde sie an der Küste des persischen Meerbusens, auf Mauritius, auf den malaiischen und philippinischen Inseln, auf Java und Sumatra festgestellt. Die als "Mbori" und "el Debab" bezeichnete Trypanosomeninfektion der Kamele soll mit S. identisch und aus Indien nach Nordafrika eingeschleppt worden sein. Durch indische Rinder ist die S. nachweislich nach Mauritius eingeschleppt worden und hat hier 70 - 80 % des einheimischen Viehs zugrunde gerichtet. Ferner ist die Seuche mit indischen Zebus im Jahre 1906 nach der Quarantäneanstalt bei Newyork verschleppt worden. Die S. herrscht überall, besonders während der warmen Jahreszeit, in sumpfigen Gegenden, und rafft namentlich Einhufer und Kamele dahin, während Rinder und Hunde weniger heftig ergriffen werden. Sie besitzt große Ähnlichkeit mit der Nagana (s.d.). Bei den Einhufern stellen sich 4 - 13 Tage nach der Infektion Fieber, große Abgeschlagenheit und kleine Blutungen in den sichtbaren Schleimhäuten, namentlich Lidbindehäuten, quaddelförmige, teigige Anschwellungen der Haut, letztere namentlich an den Gliedmaßen, den Geschlechtsteilen, am Unterkiefer und Unterbauch ein. Die Tiere können schon wenige Tage nach dem Ausbruch der Krankheit zugrunde gehen; in der Regel aber treten intermittierendes Fieber, zunehmende Blutarmut, Entkräftung und starke Abmagerung trotz guten Appetites ein. Der Tod erfolgt bei diesem Verlaufe gewöhnlich in 1 - 2 Monaten; der Verlauf kann sich aber auch auf 3 - 4 Monate erstrecken. Bei Rindern verläuft die S. unter weniger auffälligen Erscheinungen, intermittierendem Fieber und einer sich allmählich entwickelnden Blutarmut und Abmagerung und in den meisten Fällen mit Genesung. Bei Kamelen nimmt die Krankheit in den meisten Fällen einen tödlichen Verlauf, und zwar wie bei den Einhufern schnell unter schweren Erscheinungen oder langsam unter intermittierendem Fieber und allmählicher Abmagerung und Entkräftung. Von Hunden erkranken in der Regel Jagdhunde; die Krankheitserscheinungen bestehen in zeitweilig auftretendem Fieber, Anschwellungen des Kopfes, der Rachengegend, der Gliedmaßen und Störungen der Bewegungen. Bezüglich der Behandlung und Vorbeuge gilt dasselbe wie für die Nagana (s.d.). Für die Kolonien, die diese Seuche noch nicht haben, ist die Fernhaltung durch Einfuhrverbot für Tiere aus den verseuchten Ländern oder jedenfalls durch Einrichtung einer Quarantäne (s.d.), in der das Blut der aus gefährdeten Gegenden kommenden Tiere vor der Einfuhr sorgsam (mikroskopisch und durch Verimpfung auf Versuchstiere) auf das Vorhandensein der spezifischen Trypanosomen untersucht wird, notwendig.

v. Ostertag.