Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 439

Summarisches Verfahren. Neben dem ordentlichen Strafverfahren gegen Eingeborene kennt die V. des RK. wegen Ausübung der Strafgerichtsbarkeit usw. gegenüber den Eingeborenen in Ostafrika, Kamerun und Togo vom 22. April 1896 (KolBl. S. 241), ausgedehnt auf Deutsch-Südwestafrika durch V. des Landeshauptmanns vom 8. Nov. 1896 (KolGG. Bd. 2 S. 294), noch ein s. V. Dieses greift Platz, wenn im Innern oder bei Expeditionen im Falle eines Aufruhrs, eines Überfalls oder in einem sonstigen Notstande aus zwingenden Gründen die Entscheidung des Gouverneurs über die Verhängung der Todesstrafe nicht eingeholt werden kann, vielmehr deren sofortige Vollstreckung erforderlich erscheint. Alsdann ist gegen den Angeschuldigten tunlichst unter Hinzuziehung von mindestens zwei Beisitzern ein s. V. einzuleiten und das über die Verhandlungen aufzunehmende Protokoll sowie das gefällte Urteil nebst Gründen nachträglich dem Gouverneur mit Bericht einzureichen. Haben die vorgeschriebenen Beisitzer nicht hinzugezogen werden können, so sind die Gründe hierfür im Protokoll darzulegen. Das gleiche Verfahren tritt gegenüber allen Eingeborenen, welche sich strafbar machen, in Kraft, wenn in einem Teil oder in einem Orte des Schutzgebiets durch den Gouverneur oder einen zuständigen Beamten oder selbständigen Militärbefehlshaber der Kriegszustand erklärt ist.

Gerstmeyer.