Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 438 f.

Sulu (englische und holländische Schreibweise Zulu), der geschichtlich und politisch fruchtbarste Volksstamm der großen südostafrikanischen Kafferngruppe. Seitdem 1818 der Sulufürst Tschaka seinen Stamm zum Führer einer weitausgreifenden politischen Bewegung gestempelt hatte, die ihren Niederschlag vor allem in der Begründung eines großen Sulureichs selbst, sodann in der Entstehung der Reiche der Matabele, Makololo und Basuto fand, ist auch das nördlich vom Sambesi gelegene Ostafrika bis fast an den Äquator heran ethnisch in den Strudel dieser südafrikanischen Wirren hineinbezogen worden, indem im Laufe der mittleren Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verschiedene Wellen von S. über den Sambesi nach Norden gezogen sind und innerhalb der Menge der hier ansässigen Bantuvölker folgenschwere Umwälzungen verursacht haben. Die für Deutsch - Ostafrika belangreichste ist die Begründung der Wangonireiche im Osten des Livingstonegebirges selbst (s.Wangoni). Die Jahrzehnte lang durchgeführten Raubzüge haben einen großen Teil der alteingesessenen Bevölkerung des Südens von Deutsch-Ostafrika vernichtet oder versprengt und weite Landstriche zur Einöde gemacht. Eine andere, weniger verhängnisvoll gewordene Welle sind die Watuta (s.d.); sie sind ebenfalls Jahrzehnte hindurch das unruhigste Element im Nordwesten von Unjamwesi gewesen, haben aber doch nicht jene ausschlaggebende Rolle zu spielen vermocht wie ihre Brüder am Njassa. -Eine indirekte Wirkung der Suluinvasion in Deutsch-Ostafrika ist die Umwandlung zahlreicher vordem friedlicher Ackerbaustämme des Südens unseres Schutzgebietes in kriegerische Angriffsvölker (s. Suluaffen). Am bekanntesten sind in dieser Beziehung die Wahehe (s.d.) geworden, die bis in die 1890er Jahre hinein im Brennen, Morden und Rauben mit den Wangoni wetteiferten. Aber auch die Wassangu und Wabena, ja selbst die Jao und Wanjamwesi, um nur ein paar wichtigere Stämme zu nennen (s.d. betr. Art.), sind in dieser Richtung zeitweise stark beeinflußt worden. - Erfreulicher für Deutsch-Ostafrika ist dagegen eine andere Folgewirkung der Suluinvasion gewesen: die langsame, noch heute andauernde friedliche Einwanderung der Jao (s d.) und Makua (s.d.) in den äußersten Süden des Schutzgebiets, das besonders in den Jao ein sehr. schätzenswertes, zukunftsreiches Element als Zuwachs bekommen hat.

Literatur s. unter Wangoni.

Weule.