Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 404

Steinkohle, ein aus geologisch sehr alten und sehr stark umgewandelten, fossilen Pflanzenresten bestehendes Gestein von hohem Heizwert, das sich in abbauwürdigen Mengen in Deutsch- Ostafrika nur im NW des Njassasees an den Flüssen Ssongwe und Kiwira in zahlreichen Flözen findet. Unbauwürdige kleine Flöze mit sehr hohem Aschengehalt finden sich auch noch am Ostufer des Njassasees am Ruahafluß, in ganz minimalen Mengen auch im Osten des Namalandes in Deutsch-Südwestafrika - alle in Karruschichten - ; in ebenso geringen Mengen in den Sandsteinen und Tonschiefern unbestimmten Alters am Kreuzfluß in Kamerun und in den Dakumeschichten in Adamaua, endlich auf der Insel Schiulingschan bei Tsingtau (Kiautschou). Die einzigen abbauwürdigen Flöze NW vom Njassasee am Kawoloberge liegen in einer etwa 20 m mächtigen Zone, die von Konglomeraten und sehr festen, dickbankigen Sandsteinen unterlagert und von mürben Sandsteinen, Schiefertonen, schiefrigen und kalkhaltigen Sandsteinen sowie von fossilfreien Kalksteinen überlagert wird. - Die flözführende Zone besteht etwa zur Hälfte ihrer Mächtigkeit (11 m) aus Kohlenflözen, zum anderen Teil aus Brandschiefern und Schiefertonen. Die Kohlen sind zum Teil Magerkohlen und treten in Flözen bis zu 4,7 m, 2,76 m und 1,43 m Mächtigkeit auf; zum Teil sind es Fettkohlen, die in mehreren 0,3 m starken Bänken vorhanden sind. Die kohlenführende Zone ist bereits auf 15 km im Streichen verfolgt. Die Kohlen haben bis 6500 Kalorien Heizwert, sind aber ziemlich aschereich. Die kohlenführende Zone auf der Ostseite des Njassasees bei Wiedhafen und am Ruahafluß ist etwa 80 m mächtig und besteht ebenfalls aus Schiefertonen, Tonschiefern, Sandsteinen, Brandschiefern sowie aus 28 Flözen von meistens sehr geringer Mächtigkeit (3 cm bis 3,5 dem); ein Flöz ist 0,7 m, ein anderes 0,9 m mächtig; alle diese Flöze sind aber so unrein und so wenig zusammenhängend, daß sie nicht abbauwürdig sind. Auch hier wird die kohlenführende Zone von dickbankigen Sandsteinen und groben Konglomeraten unterlagert, die zum Teil direkt auf dem Gneisgebirge aufliegen, und von Schiefertonen, mürben Sandsteinen, Mergelschiefern und Kalken. überlagert, die eine sehr ausgeprägte Tafelberglandschaft in dem umgebenden Gneisgebiet bilden. In den Schiefertonen zwischen den Kohlenflözen haben sich hier Vertebrarien, die Wurzelbildungen von Glossopterisfarnen gefunden, wodurch das Alter dieser kohlenführenden Schichten als Karruformation (Permokarbon) sichergestellt ist.

Gagel.