Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 396

Stammtafel. Trägt man die Kinder, Enkel, Urenkel usw. eines Paares in ein Schema ein, so erhält man eine S., die nach der früher üblichen Darstellungsweise auch Stammbaum genannt wird. Je nach der Zahl der Nachkommen und ihren Eheschließungen wird die S. sehr verschieden aussehn. Stellt man die einzelnen Individuen durch Buchstaben (die angeheirateten Gatten eingeklammert) dar, so kann eine S. etwa folgende Form haben:

Die S. stellt also die Stammeltern fest, von denen eine Familie ausging. Die Bedeutung der S. liegt auf gesellschaftlichem und rechtlichem Gebiet, insofern der Nachweis der Abstammung von einem Stammvater oder einer Stammutter den Nachkommen besondere Rechte oder Pflichten (z.B. Häuptlingschaft oder Fürsorge für Erbgut) gibt. Sehr wertvoll ist. die Ermittlung geschriebener oder mündlich überlieferter S. bei Naturvölkern für die Feststellung rechtlicher Beziehungen und für die Erforschung der Geschichte des Volkes. Die S. ist unzureichend für die Verfolgung eines körperlichen oder geistigen Merkmals in der Reihe der Vorfahren und kann ebensowenig Fragen der Rassenreinheit, der Ebenbürtigkeit usw. lösen, da .sie für den Urenkel von den zwei Großelternpaaren und den 4 Urgroßelternpaaren nur je eines aufführt. Für alle biologischen und einen Teil der rechtlichen Untersuchungen bedarf die S. der Ergänzung durch die. wichtigere Ahnentafel (s.d.).

Literatur: Lorenz, Lehrbuch der gesamten wissenschaftlichen Genealogie, Berl. 1898.

Thilenius.