Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 431

Stübel, Oscar, Dr. jur., früher Direktor der Kolonialabteilung, geb. am 11. Aug. 1846 in Dresden, machte als Reserveleutnant im Sächs. Leib - Gren. - Regt. Nr. 100 den Krieg 1870 / 71 mit, war von 1872 ab als Referendar in Dresden tätig, 1873 während dreier Monate als Privatsekretär des Königs Johann, 1874 / 75 als Sekretär im lutherischen Landeskonsistorium, von 1875 ab als Hilfsarbeiter im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten als Regierungsassessor. Seit Anfang 1879 war S. im Auswärtigen Amt tätig und wurde 1880 zum Legationsrat ernannt. 1881 wurde er mit der Verwaltung des Ksl. Konsulates in St. Louis beauftragt, 1882 mit der Führung der Konsulatsgeschäfte in Cincinnati. 1883 wurde S. als Konsul nach Apia (Samoa) entsandt, 1884 wurde ihm der Charakter als Generalkonsul verliehen. 1887 wurde er zum Konsul in Kopenhagen, 1890 zum Generalkonsul in Schanghai, 1899 zum Gesandten in Santiago, im Juni 1900 zum Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes ernannt. Unter seiner Leitung wurde die Verwaltung in den Schutzgebieten ausgedehnt und ausgebaut. Der Eisenbahnbau in den Kolonien wurde durch Verleihung von Konzessionen an Eisenbahngesellschaften gefördert. Der 1903 / 04 ausbrechende große Eingeborenenaufstand in Deutsch-Südwestafrika (s. Hereroaufstand) machte die Entsendung starker Truppen und die Aufwendung bedeutender Mittel erforderlich. Im Nov. 1905 wurde S. von der Stellung als Kolonialdirektor enthoben und beurlaubt, im April 1906 zum Gesandten in Kristiania ernannt. Im Jan. 1907 wurde er auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt. S. veröffentlichte Samoanische Texte, 1896.