Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 411

Störche, Ciconiidae, ihrer Körperform nach allbekannt, bewohnen alle Erdteile. Ihren Aufenthalt nehmen sie in wasserreichen Gegenden, die auch Baumwuchs haben, denn sie ruhen und nisten auf Bäumen. Einige Arten schließen sich dem Menschen an, indem sie in den Ortschaften auf Dachfirsten, Schornsteinen und Strohmieten den Horst errichten. Die Nahrung besteht in kleinen Wirbeltieren, besonders Lurchen und Fischen, Würmern, Weichtieren, Krebsen und Insekten. Als Heuschreckenvertilger sind sie nützlich. Eine eigentliche Stimme, die dann in einer Art Fauchen besteht, haben nur wenige Arten, dagegen klappern sie in der Erregung durch Zusammenschlagen der Kiefer. In Afrika sind 8 Arten bekannt. Eine der auffallendsten ist der Kropfstorch oder Marabu, Leptoptilos crumenifer, durch seine Größe, nackten Kopf und Hals und Kehlsack ausgezeichnet. Die zerschlissenen wolligen, weißen oder blaßgrauen Unterschwanzdecken sind als Putzmittel sehr beliebt. Als Aas- und Heuschreckenvertilger wird der Marabu sehr nützlich und ist deshalb durch Gesetze in den Kolonien geschützt. Größer als der Marabu und schlanker, ist der Sattelstorch, dessen aufwärts gebogener roter, mit schwarzer Querbinde gezeichneter Schnabel an der Stirn eine gelbe Platte trägt; das Gefieder ist schwarz und weiß. Kleinere Arten sind der Abdimstorch, Abdimia abdimi, mit schwarzem, am Unterkörper weißem Gefieder, nackten kobaltblauen Kopfseiten, blutrotem Kinn und grünlichem, an der Spitze rotem Schnabel, und der Wollhalsstorch, Dissoura microscelis, Hinterkopf und Hals mit weißer, wolliger Befiederung, Bauch weiß, übriges Gefieder schwarz, Schnabel schwarz mit roter Spitze. Beide. Arten horsten gesellig, oft zusammen mit Ibissen und Kuhreihern, der Abdimstorch auch gern in Ortschaften. Unser weißer Hausstorch, Ciconia ciconia, kommt auf seiner Winterwanderung nach Deutsch- Ostafrika. - In seiner Schnabelform weicht der Nimmersatt, Tantalus ibis, von anderen Störchen ab. Die Schnabelfirste ist abgerundet, die Spitzenhälfte des Oberkiefers ist nicht kantig, sondern rundlich und schwach abwärts gebogen, der Schnabel ist strohgelb, das nackte Gesicht rot, das Gefieder weiß mit rosigem Anflug, Schwingen und Schwanz federn sind schwarz. - Zu den Störchen gehört auch der eigentümliche Klaffschnabel, Anastomus lamelligerus. Die Spitzenteile der Kiefer liegen nicht aufeinander, sondern klaffen, und die Schneidenränder sind an dieser Stelle bürstenartig mit Hornborsten bedeckt. Er hat etwa die Größe des Wollhalsstorches. Das Gefieder ist schwarz, einzelne Federn des Halses laufen in lanzettförmige Hornplatten, Federn des Unterkörpers in lange gekräuselte, glänzend schwarze Hornplatten aus. - In den übrigen deutschen Schutzgebieten sind keine S. bekannt, doch könnte der von Hinterindien über die Sundainseln bis Australien und bis zum südlichen Neuguinea verbreitete indische Sattelstorch, Xenorhynchus asiaticus, der aufwärts gebogenen Schnabel wie der afrikanische Sattelstorch, aber keine Stirnplatte hat, auch in Kaiser-Wilhelmsland noch gefunden werden.

Reichenow.