Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 326 f.

Schweinezucht wird in allen deutschen Kolonien betrieben, meist aber nur in ganz beschränktem Umfang, auch sind die Vorbedingungen für die Entwicklung einer blühenden S. nicht gegeben. In Deutsch-Südwestafrika werden Schweine in größeren Orten zur Verwertung von Wirtschaftsabfällen gehalten. Stallhaltung ist hier die Regel. Auf den Farmen gehen die Schweine vielfach frei auf der Weide, die ihnen besonders in den Rivieren ein abwechslungsreiches Futter an Zwiebeln, Knollen, Wurzeln, Gräsern, Insekten, Larven u.a. m. bietet. Der Schweinebestand betrug am 1. April 1913 7772 Stück, er ist hauptsächlich in den Bezirken Windhuk, Omaruru, Okahandja, Grootfontein verbreitet. Zur Verbesserung der S. sind Yorkshire, Berkshire, das veredelte deutsche Landschwein und das deutsche Landschwein eingeführt, von denen sich vor allem die beiden letztgenannten weniger hochgezüchteten Rassen bewährten. In Deutsch-Ostafrika ist die S. ziemlich belanglos, was durch die Abneigung der Mohammedaner gegen das Schweinefleisch verursacht wird. Die Europäer betreiben stellenweise S. und haben zu diesem Zweck auch europäische Schweinerassen eingeführt. Im Jahre 1910 waren 2157 Schweine im Besitz von Europäern. In Kwai (s.d.) wird S. in etwas größerem Umfang betrieben, die daselbst gewonnenen Dauerwaren, Schinken und Würste, erfreuen sich großer Beliebtheit. In Kamerun und Togo werden Hausschweine von den Eingeborenen gehalten, besonders in Togo wendet man in einigen Bezirken der S. Aufmerksamkeit zu. Zur Hebung der Zucht sind auch hier schon europäische Rassen, wie Berkshire und das veredelte deutsche Landschwein mit Erfolg eingeführt. Auf den Südseeinseln kommen Schweine verhältnismäßig zahlreich, zum Teil im verwilderten Zustande vor. Die Papuas auf Neuguinea verwenden auf die Aufzucht und Pflege der Hausschweine Sorgfalt. Wie in ganz China, hat auch im Kiautschougebiet die Schweinezucht Bedeutung, besonders für die Ernährung der Chinesen. Es wird hauptsächlich das kleine schwarze bis dunkelbraune chinesische Schwein unter primitiven Verhältnissen gehalten. Der ständige Aufenthalt im Freien hat eine starke Entwicklung der Borsten zur Folge gehabt, die einen begehrten Ausfuhrartikel bilden. Kreuzungsversuche mit Ebern deutscher und englischer Schläge und Reinzucht der eingeführten Rassen wurden mit gutem Erfolg und in dem Umfange ausgeführt, daß der früher bedeutende Import von Schweinen aus Schanghai fast ganz aufgehört hat, während der Export von Schweinen nach südchinesischen Hafenplätzen zugenommen hat.

Neumann.