Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 325

Schwarzwasserfieber. 1. Definition. 2. Verbreitung. 3. Ursache. 4. Symptome. 5. Behandlung und erste Hilfe. 6. Verhütung.

1. Definition. S. (Hämoglobinurie, Blackwater fever, Febris biliosa haemoglobinurica, fièvre bilieuse hématurique) ist eine der gefährlichsten Folgen bzw. Komplikationen der Malaria (s.d.). Das Wesen des S. besteht in einem akuten Zerfall von roten Blutkörperchen derart, daß Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Urin ausgeschieden wird.

2. Verbreitung. S. kommt in vielen, namentlich tropischen Malarialändern, besonders bei Europäern vor, allerdings in ungleichmäßiger Verteilung. Besonders stark ist die Westafrikaküste (Kamerun) heimgesucht; auch in Deutsch- Ostafrika, selbst im Binnenland ist S. häufig. Auch in Neuguinea kommt S., allerdings etwas seltener vor.

3. Ursache. Die eigentliche Ursache des S. ist noch nicht sicher aufgeklärt. Die Disposition wird geschaffen durch wiederholte Malariaerkrankung (namentlich Tropica), insbesondere nach ungenügender Behandlung. Die Anfälle werden ausgelöst entweder: a) durch ein Medikament, in der Regel Chinin (s.d.), seltener Antipyrin, Methylenblau, Phenazetin, oder b) durch andere Gelegenheitsursachen: Erkältung, Überanstrengung, Gemütserregung, Sonnenbestrahlung, Alkoholexzeß u. dgl.

4. Symptome. Beginn einige Stunden nach Einwirken der Gelegenheitsursache. Nach intensivem Schüttelfrost steigt die Temperatur schnell hoch. - Hauptsymptome: Galliges, mitunter fast unstillbares Erbrechen, Entleerung von blutigrotem bis schwarzrotem Urin, Angst, Atemnot, Kopfschmerzen, Gelbfärbung der Körperhaut und der Schleimhäute. Ferner Milz- und Leberschwellung, ev. mit Schmerzen. - Verlauf: a) entweder günstig: unter Schweißausbruch fällt die Temperatur, der Urin hellt sich auf, das Allgemeinbefinden bessert sich langsam. Blutarmut bleibt aber oft noch lange bestehen; b) oder ungünstig: in schweren Fällen kommt es zu Urinverhaltung infolge von Nierenverstopfung durch zerfallene Blutbestandteile. Das bedeutet stets eine Lebensgefahr, namentlich wenn die Urinabsonderung nicht in 24 - 48 Stunden wieder in Gang kommt. Unter schnellem Verfall tritt dann der Tod ein. Die Sterblichkeit ist in manchen Gegenden eine hohe (10 - 30 %).

5. Behandlung und erste Hilfe. Wenn irgend möglich, muß sofort ärztliche Hilfe hinzugezogen werden. Ist solche erst nach einiger Zeit oder überhaupt nicht zu erreichen, dann kommen folgende Maßnahmen in Betracht: Aussetzen mit Chiningaben, Ruhelage, Diät, reichliche Flüssigkeitszufuhr zum Durchspülen der Nieren (bei fortwährendem Erbrechen durch Darmeinläufe, durch Arzt Kochsalzinfusionen unter die Haut oder in die Blutadern). Gegen heftiges Erbrechen gibt man 5 Tropfen Jodtinktur in 1 Glas Wasser, schluckweise zu trinken, oder man läßt Eispillen schlucken oder (nach französischer Vorschrift) von folgender Mischung eßlöffelweise bis zu leichter Betäubung trinken: Chloroform 6,0 g, Gummi arab. 8,0 g, Zuckerwasser 250,0 g. - Zur Verstärkung der Herztätigkeit gibt man Digitalis, eventuell Kampher, heißen Kaffee oder Tee. Längere Zeit nach Ablauf des Anfalls hat eine Chiningewöhnungskur unter ärztlicher Kontrolle, in der Regel mit 0,01 g beginnend und langsam steigend bis auf 1,0 g zu folgen. Diese Kuren lassen sich nur im Krankenhaus unter dauernder Urinkontrolle sicher durchführen.

6. Verhütung. Die S.disposition, die auch nach Verlassen der Fiebergegend noch lange bestehen bleiben kann, wird am ehesten durch eine regelrechte Malariabehandlung und -Prophylaxe verhütet (s. Chininprophylaxe). Die unregelmäßige Chininprophylaxe, namentlich die mit kleinen ungenügenden Dosen dagegen schafft die Disposition. Regelmäßige Chininprophylaktiker erkranken viel seltener und, wenn doch, dann weniger heftig an S.

Literatur: R. Ruge, Malariakrankheiten. Jena 1906, G. Fischer.

Mühlens.