Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 321

Schutzimpfung, die zur Herbeiführung eines künstlichen Schutzes vor gewissen Krankheiten (Immunität) bewirkte Einverleibung gewisser Stoffe in den Organismus. Eine derartige künstliche Immunisierung kann aktiv oder passiv herbeigeführt werden: 1. Die aktive Immunisierung geschieht durch künstliche Einverleibung der Bakterien (s.d.) oder ihrer Produkte; sie bewirkt die Entstehung von Schutzstoffen bei dem Geimpften selbst. Die Hauptmethoden der aktiven Immunisierung sind: a) S. mit lebenden, vollvirulenten Krankheitserregern; b) S. mit künstlich abgeschwächten, lebenden Krankheitserregern; c) S. mit abgetöteten Krankheitserregern; d) S. mit Extrakten aus den Bakterien; e) S. mit Stoffwechselprodukten (Toxinen) der spezifischen Bakterien. - Die seinerzeit in Deutsch-Südwestafrika in größerem Maßstabe ausgeführte Typhus - S. geschah mit abgetöteten Typhusbazillen (s. Typhus). In ähnlicher Weise sind auch Cholera- und Pest - S. in großem Maßstabe ausgeführt worden (s. Pest und Cholera). - Eine S. mit lebenden, allerdings durch Tierpassagen abgeschwächten Krankheitserregern haben wir in der Pockenimpfung (s. Impfung). - 2. Unter passiver Immunisierung versteht man die Immunisierung durch Übertragung von Blutserum eines vorher nach einer der vorhin genannten Methoden aktiv immunisierten Tieres. Dabei werden mit dem Tierserum die Schutzstoffe (z.B. die Antitoxine beim Diphtherieserum) direkt überimpft; dementsprechend tritt nach der Impfung auch die Immunität, der Schutz sofort ein. - 3. Eine S. kann auch durch Kombination von aktiver und passiver Immunisierung herbeigeführt werden. S. a. Immunität.

Literatur: A. Dieudonné, Immunität, Schutzimpfung u. Serumtherapie. Lpz., J. A. Barth.

Mühlens.