Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 301

Schmetterlinge, Falter oder Lepidopteren (s. Tafel 67/68, Abb. 23), Insekten mit 4 (nur selten verkümmerten) Flügeln, welche mehr oder weniger mit abreibbaren, staubartigen, farbigen Schuppen bedeckt, mit 5 Tarsenliedern an den Füßen und meist mit einer Rollzunge ausgerüstet sind. Die Larve ist eine mit 2 - 5 Höckerfußpaaren am Hinterleibe versehene Raupe (s. Tafel 67/68 Abb. 24), welche sich vor der Entwicklung zum ausgebildeten Tier in eine ruhende Puppe verwandelt. - Die Raupen leben meist auf oder in Pflanzen und richten oft großen Schaden an. - Man teilt die S. jetzt in zahlreiche Familien ein. Hier sei nur eine Unterscheidung der früheren Gruppen nach auffallenden, für den Laien in unsern Kolonien in den meisten Fällen ausreichenden Merkmalen. gegeben: Leicht unterscheidbar sind einerseits die Tagfalter und andererseits die Motten und Federmotten. Die Tagfalter zeichnen sich dadurch aus, daß ihre Flügel in der dauernden Ruhelage wenigstens zum Teil senkrecht aufgerichtet und daß die Fühler nach dem Ende hin mehr oder weniger verdickt sind. Bei den Federmotten sind die vier Flügel mehr oder weniger gespalten und bei den andern Motten (s.d.), welche sich schon durch ihre geringe Größe auszeichnen, sind die Hinterflügel schmal und mehr oder weniger zugespitzt, so schmal, daß die Fransen an ihrem Hinterrande mindestens halb so lang sind wie ihre Breite. - Den Tagfaltern lohnen sich ein großer Teil der Spinner und die Spanner am nächsten an. Auch bei ihnen sind die Hinterflügel ungefaltet und wie die Vorderflügel, ziemlich breit. Die meisten Spinner (s.d.) besitzen außerdem, im Anschluß an die Tagfalter und im Gegensatz zu den Spannern und allen andern Faltern, keine Borste (Haftborste) am Vorderrand der Hinterflügel. Bei den Spannern (s.d.) und vielen Spinnern sind die Flügel in der Ruhelage flach ausgebreitet. Die Raupen besitzen bei allen Spannern nur 2 (selten 3 - 4) Höckerbeinpaare am Hinterkörper. - Bei den Schwärmern, Eulen, Zünzlern und Wicklern sind die Flügel in der Ruhelage nicht weit ausgebreitet, so daß die Hinterflügel nicht in größerer Ausdehnung sichtbar sind. Unter ihnen zeichnen sich die Schwärmer (s.d.) und die verwandten Gruppen (Sesien, Zygänen usw.) durch schmale, oft auch stark verkürzte, ungefaltete Hinterflügel vor den drei andern Gruppen aus, welche breite, in der Rnhelage mehr oder weniger gefaltete oder um den Hinterleib gewickelte Hinterflügel besitzen. Bei den Zünzlern (s.d.), den eigentlichen Kleinschmetterlingen der Tropen, sind die Hinterflügel ähnlich, nur schwächer gefärbt und gezeichnet wie die Vorderflügel. Bei den Eulen und Wicklern sind die Hinterflügel entweder ganz anders gefärbt als die Vorderflügel oder sie sind Weißlich und die Zeichnung fehlt ganz. Die Eulen (s.d.) zeichnen sich vor den Wicklern durch ihre bedeutendere Größe und ihren dickeren Körper aus. Während der Körper der Wickler (s.d.) meist unter 1 cm lang ist, ist der der Eulen, meist über 1 cm lang.

Dahl.