Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 291

Schire - Sambesiweg, die natürliche Verbindung des SW von Deutsch-Ostafrika, besonders auch seines Anteils am Njassa (s.d.) mit dem Indischen Ozean. Sie leidet darunter, daß der Schire manches Hindernis für die Schiffahrt aufweist. Deshalb hat sich ein Verkehrsweg ausgebildet, der Teile des Schire benutzt, dazwischen über Land geht, schließlich den Sambesi (s.d.) nach Chinde an der Hauptmündung verfolgt. Seine Länge ist rund 720 km. Gleich nachdem er den Njassa verlassen, wird der Schire durch eine Barre gesperrt, die nur von ganz flachgehenden Booten überwunden werden kann. 1 1/2 Stunden unterhalb der Barre liegt Ft. Johnston im britischen Nyasaland Protectorate (bis 1907 British Central Africa Prot. genannt). Von Ft. Johnston an gehen meist Heckraddampfer, die den Malombesee (ein Stück des Njassa in seiner früheren Ausdehnung) durchfahren, bis Ft. Liwonde, wo ein Granitriff im Fluß liegt. Von hier bis Matope unterhalb Mpimbi läßt sich der Dampfer nur bei hohem Wasser benutzen, sonst muß man ein zu einem Hausboot ausgebautes Fahrzeug der Eingeborenen nehmen. Von Matope nach Blantyre, der wichtigsten Stadt des Protektorats, führt guter Weg. Bis hierher sind es 3 - 4 Tage. Von Blantyre fährt die Eisenbahn in 10 Stunden 181 km bis Pt. Herald, dem südlichsten britischen Platz. Es folgt die Fahrt durch portugiesisches Gebiet auf dem untern Schire und dem Sambesi. Für diese 336 km braucht man 4 - 6 Tage. Hier verkehren insgesamt 21 kleine Dampfer, wovon 18 britisch sind, dazu 103 größere Kähne, mit insgesamt 1125 und 3676 Tons. Die ganze Reise kann im günstigsten Fall 8 Tage dauern, in Wirklichkeit werden meist gegen 14 daraus. Dazu kommen von Chinde nach Daressalam 6 Tage, am andern Ende von Muaja (s.d.) nach Ft. Johnston 5 Tage. - Danach ist einstweilen die Reise über Land vom deutschen Ufer des Sees nach Daressalam, auf verschiedenen Wegen, ganz wenig länger und eher billiger als der S. - S. - Weg. Denn der Fahrpreis von Chinde bis Ft. Johnston beträgt für die Person 320, für die Tonne 240 M. Die Beförderung von Waren kostet auf dem Landweg über Ssongea nach Kilwa zwar etwas mehr, vollzieht sich aber erfahrungsgemäß sehr viel schneller und sicherer. Der S. - S. wird sich bessern, wenn die Bahn erst von Blantyre zum Njassa verlängert ist. Auch die Strecke Pt. Herald - Chinde steht in Aussicht; freilich bedeutet dann die Bezeichnung S. - S. nur noch eine Richtung. In Chinde besteht bereits eine Art britischer Freihafen, die British Concession. 1911 war der Wert der Einfuhr 2,6, der der Ausfuhr 1,7 Mill. M.

Literatur: P. Fuchs (und J. Booth), Die wirtschaftliche Erkundung einer ostafrik. Südbahn. Berl. 1905. - F. Fülleborn. Das deutsche Njassa- und Ruwumagebiet. Berl. 1906. - Militärisches Orientierungsheft für Deutsch-Ostafrika. Daressalam 1911.

Uhlig.