Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 248 ff.

Sandfloh (Sarcopsylla resp. Dermatophilus penetrans), Floh, der in normalem Zustande so aussieht, wie ein gewöhnlicher Menschenfloh, jedoch nur halb so groß ist (s. Tafel 176 Abb. 1). Ist das Weibchen aber seiner Gewohnheit gemäß in die Oberhaut des Menschen eingedrungen, so schwillt sein Leib durch die sich entwickelnden Eier im Laufe von einigen Tagen bis zur Größe einer kleinen Erbse an (s. Tafel 176 Abb. 2), und infolge der starken Dehnung erscheint der Bauchabschnitt hell, während das Kopfbruststück mit den Beinen, das sich nicht vergrößert hat (s. Tafel 176 Abb. 3), seine ursprüngliche braune Farbe behält und wie ein kleines, dunkles Pünktchen an der großen Leibeskugel sitzt. Ein anderer dunkler Fleck befindet sich am hinteren Pol der Kugel; hier münden die Atemröhren des Flohes aus, und da sie mit der Außenluft in Verbindung bleiben müssen, ist diese Stelle auf der Haut sichtbar (und hebt sich von der helleren Haut auch deutlich ab), während der übrige Teil des Flohes in die Oberhaut eingegraben, ist, deren tiefere Schichten er bei seinem Größerwerden sackartig in die Tiefe stülpt (s. Tafel 176 Abb. 4). Sind die Eier reif, so werden sie durch die Hautöffnung ins Freie abgelegt und nach ca. 3 Wochen wird der Floh durch Eiterung aus der Haut entfernt. Aus dem Ei kriecht bald eine kleine Flohmade aus, die im Schmutz des Hüttenbodens wie ein gewöhnlicher Floh sich weiter entwickelt, d. h. sie verwandelt sich später in eine Puppe, und nach 8 - 10 Tagen schlüpft aus letzterer der junge Floh aus. Feuchtigkeit ist für den Floh und seine Entwicklung anscheinend schädlich, Unsauberkeit ist ihm willkommen. Außer dem Menschen werden auch die Haustiere, besonders Schweine und Hunde davon befallen. Die männlichen S. bohren sich nicht in die Haut ein. - Der S. ist gegenwärtig im tropischen und subtropischen Afrika und Amerika stellenweise sehr stark verbreitet, in Asien scheint er aber nicht die ihm zusagenden Lebensbedingungen zu finden. In Westafrika er schon lange, vielleicht sogar von jeher ist heimisch; jedenfalls wird bestritten, daß er, wie man früher annahm, erst 1872 aus Amerika nach Westafrika eingeschleppt sei. An die Küste Deutsch - Ostafrikas gelangte er vom Seengebiet aus einwandernd aber erst gegen 1900; da die Eingeborenen damals noch nicht verstanden, ihn rechtzeitig zu entfernen, vermehrte er sich ins Ungemessene und wurde zu einer sehr ernsten Plage für die Eingeborenen, zumal seine Erscheinung mit einer Hungersnot zusammenfiel, welche die Leute abstumpfte; besonders Kinder waren mit Hunderten von S. bedeckt, und manchem der schon geschwächten Individuen mögen die S.eiterungen den Rest gegeben haben. Bald war aber auch in Deutsch-Ostafrika die S.plage nicht schlimmer als anderwärts. - Der Lieblingssitz des S. sind die Füße, besonders die Stelle unter den Zehennägeln (s. Tafel 176 Abb. 5 u. 6); er kann aber, zumal bei den an der Erde spielenden Kindern, auch an allen möglichen anderen Körperstellen eindringen, wenngleich er die mit dicker Oberhaut bevorzugt. Wird der S. rechtzeitig entfernt, so ist er nur ein kleines Übel, obschon er - zumal in der ersten Nacht nach seinem Eindringen - durch unerträgliches Jucken den Schlaf stört. Wird der S. aber nicht rechtzeitig entfernt, und eitert er dann von selbst oder infolge ungeschickter Entfernungsversuche heraus, so können sich besonders bei den barfuß gehenden Eingeborenen durch Verschmutzung der Wunde sehr böse Eiterungen einstellen, die zum Verlust der Zehen oder zu ausgedehnten Zellgewebsentzündungen führen; auch Infektion der S.wunden mit Wundstarrkrampf - Erregern (Tetanus, s. Starrkrampf) sind beschrieben. - Um sich vor dem S. zu schützen, gehe man nur in festen Stiefeln in Eingeborenenhütten und in Ställe; auch Einstreuen von Insektenpulver in die Stiefel resp. Perubalsam und Petroleum werden empfohlen. Damit es nicht zu S.eiterungen kommt, lasse man täglich nach dem Baden die Füße von dem "Boy" genau inspizieren und die S. von ihm mit einer sauberen (am besten vorher mit einem Streichholz erhitzten) Nadel entfernen. Bei erst vor wenigen Stunden eingedrungenen S. soll man, seinem sachkundigen Rate folgend, besser keine Entfernungsversuche machen, da sie doch meist nicht gelingen und schmerzhafte, kleine Wunden verursachen; am besten entfernt man die Sandflöhe am 2. oder 3. Tage, wenn ihr Leib erst etwas angeschwollen ist. Wenn der Junge seine Sache richtig macht, darf es nicht bluten, und der S. muß unverletzt herausgeholt werden. Die kleine Höhle in der Haut - eine eigentliche Wunde ist es ja nicht - kann man mit Jodtinktur betupfen oder unbehandelt lassen; ist die Extraktion aber nicht ordentlich gelungen oder blutet die Stelle, so desinfiziere man sie sorgsam. Ein Verband ist nach kunstgerechter Entfernung des S. für den ja beschuht gehenden und seine Füße sauber haltenden Europäer kaum nötig, jedoch bei den Eingeborenen angebracht. Damit die Truppe in ihrer Marschfähigkeit nicht beeinträchtigt wird, halte man die Soldaten zur rechtzeitigen Entfernung ihrer S. an; bei einiger Sorgfalt können die Leute Sandfloheiterungen vermeiden. Neuerdings wird empfohlen, den S. nicht mechanisch zu entfernen, sondern durch an 3 - 4 Tagen wiederholtes Betupfen mit Jodtinktur abzutöten; er wird dann von selbst schmerzlos aus der Haut ausgestoßen; das Verfahren dürfte recht empfehlenswert sein, und man kann natürlich damit beginnen, sobald man den Floh verspürt. Um S. aus längere Zeit nicht bewohnten Eingeborenenhütten, die dann manchmal geradezu unheimlich davon wimmeln, zu entfernen, wird empfohlen ein gebundenes Ferkel auf den Boden legen, dem die Flöhe dann anstatt uns selber anspringen. Damit die S. in unseren Wohnungen nicht aufkommen, lasse man den Boden häufig naß aufwischen, am besten von Zeit zu Zeit auch mit Petroleum. Der früher zur Bekämpfung der S.plage erteilte Rat, alle aus der Haut herausgeholten S. durch Verbrennen zu vernichten, dürfte überflüssig sein, da der S. ja meist in einem Stadium, wo seine Eier noch nicht reif sind, extrahiert zu werden pflegt.

Fülleborn.