Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 209 ff.

Sammeln von wissenschaftlich wichtigen Gegenständen. 1. Allgemeines. 2. S. von botanischen Objekten. 3. S. von Säugetieren und übrigem zoologischem Material. 4. S. von ethnographischen Objekten und Beobachtungen.

1. Allgemeines. Wer Sinn für die Erforschung unserer Schutzgebiete hat, sollte sich der Überzeugung nicht verschließen, daß er mit geringer Mühe der Wissenschaft nützen kann. Er möge nur seine Beobachtungen über alles, was ihm dort auffällig und von unseren heimischen Verhältnissen abweichend erscheint, sorgfältig aufzeichnen und durch Sammlungen von allerlei Natur- und Kulturerzeugnissen und Überweisung dieser an große Museen zur Förderung der Kenntnis des Landes beitragen. Wenn wir aus den Schutzgebieten für die Allgemeinheit möglichst viel herausziehen wollen, müssen wir zunächst alle dort vorkommenden, für die Verwer tung vielleicht möglichen Dinge kennen lernen. Das läßt sich aber nur dadurch verwirklichen, daß Fachleute sie prüfen, und dieses kann wiederum nur in Deutschland an großen Instituten geschehen, wo der nötige Stab von wissenschaftlichen Beamten vorhanden ist. Eine Anleitung zu wissenschaftlichen Sammlungen und Beobachtungen auf Reisen ist von Prof. Dr. G. v. Neumayer, Exzellenz, herausgegeben worden und im Verlage von Dr. M. Jänecke in Hannover erschienen. Es sind zwei starke Bände. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Wer sich um die Wissenschaft verdient machen will, soll sich vertrauensvoll an irgendeinen ihm bekannten deutschen Forscher oder an ein großes Museum wenden; dann wird ihm die nötige Anleitung gegeben werden. Niemand glaube, daß aus viel besuchten Gegenden alles bekannt ist. Jeder Versuch, der Wissenschaft zu nützen, wird freudig begrüßt, und wenn nufeine der gemachten Beobachtungen und nur einer der für die Wissenschaft gesammelten Gegenstände sich als wichtige Ergänzung der bisherigen Kenntnis erweist, so ist die Mühe belohnt.

Matschie.

2. S. von botanischen Objekten. Das Interesse des Nichtfachmannes wendet sich in der Regel ausschließlich den von den Eingeborenen gebrauchten Pflanzenteilen wie Binden, Hölzern, Wurzeln, Blättern, Blüten, Früchten, Samen, Fasern u.a. zu. Da diese Objekte meist sehr schwierig zu identifizieren sind, so ist für alle diese Dinge eine genaue Feststellung der Stammpflanze durch Beschaffung von blühenden Zweigen erforderlich. Die Erlangung dieses Materials ist recht schwierig. Die Eingeborenen halten die Abstammung geheim, bei hohen Urwaldbäumen sind die gewünschten Teile recht schwer und nicht zu jeder Zeit zu erlangen, und die niedrigeren Pflanzen blühen oft selten und spärlich. Die Konservierung der blühenden Zweige kann ohne viel Mühe in den Trockenzeiten oder in trocknen Gegenden in der Art der bekannten Herbarien erfolgen. Als Trocken- und Preßpapier genügt in der Regel Zeitungspapier. Die Pflanzenteile werden vorsichtig zwischen den Papierbogen ausgebreitet und diese am besten mit einem Überschuß von Papier und mit Holzrahmen auf beiden Seiten belegt, verschnürt und an einem luftigen, trockenen, bei Regenzeiten etwas warmen Orte aufgestellt. In den ersten Tagen ist das die Pflanzen bedeckende Papier möglichst jeden Tag zu wechseln. So gewonnene Belegexemplare lassen sich meist sehr gut zwischen zwei Pappstreifen in einem Brief verschicken. In sehr feuchtem Klima hat diese einfache Methode ihre großen Schwierigkeiten. Die Pflanzenpressen müssen die erste Zeit dauernd in der Nähe von Feuer aufgestellt werden. Da nun größere Früchte und sehr fleischige Pflanzenteile anders konserviert werden müssen, so empfiehlt sich in leuchten Gegenden nachstehende, für alle Pflanzenteile geeignete Versendung. Sie erfordert wenig Mühe und ist auch für trockene Gegenden zu empfehlen. Diese Methode knüpft direkt an die Konservierung von dem Genuß dienenden Pflanzenteilen in der Heimat an. Es ist kurz gesagt ein Einpökeln in Salzlake, wie es mit Kohl, Bohnen, Gurken usw. und ja auch mit Fleisch allgemein geschieht. Die einzelnen Pflanzenteile sind für sich in dünne Baumwollgewebe mit einem mit Bleistift beschriebenen Zettel fest einzuwickeln und zu umschnüren. So lassen sich auch blühende Zweige durch vorsichtiges Zusammenbiegen sehr gut verpacken. Die einzelnen Bündel werden ganz fest in leere Petroleumtins oder besser noch in Fässer verpackt, jede Lage mit einer kräftigen Dosis Salz überstreut und zum Schluß, wenn der Behälter voll ist, Wasser darüber gegeben. Dann wird ein Brett über die Oberfläche gelegt und dieses stark beschwert, damit alle Luft aus den einzelnen Paketen herausgetrieben wird. Man kann nun ruhig so lange warten, bis die Zeit der Versendung heranrückt, und dann die Gefäße unter Hinzufügung von weiteren Objekten oder Füllmaterial so fest verschließen, daß ein Bewegen der einzelnen Teile während des Transportes unmöglich ist. Im allgemeinen sind Fässer den Tins vorzuziehen, da das Eisen dieser Blechbehälter auf gerbstoffhaltige Pflanzen bräunend wirkt. Derartig konservierte Objekte, in Fässern versandt, kommen bei genügendem Salzgehalt trotz längeren Transportes so frisch in den natürlichen Farben an, als ob sie eben vom Baume gepflückt wären. Man kann an Stelle der Salzlake auch Formalin oder Alkohol verwenden, darf aber nicht vergessen, daß der letztere meist stark extrahierend wirkt. Ganz allgemein sei hier noch darauf hingewiesen, daß bei Einsendung von Pflanzenprodukten, die nicht einer derartigen Konservierung bedürfen, wie Fasern, Hölzer, Rinden, Ölfrüchte, Harze usw., für die eine Feststellung. des Handelswertes gewünscht wird, die Proben so trocken sein müssen, daß sie unterwegs nicht verschimmeln. Das Quantum muß mindestens so groß sein, daß eine ordnungsmäßige Begutachtung möglich wird. Als geringste Menge dürfte ein Postpaket von 5 kg anzusehen sein. Besonders für die Fasern ist noch darauf hinzuweisen, daß diese sachgemäß aufbereitet sein müssen, frei von jeglicher Schäbe und von Spakflecken, sowie in der natürlichen Länge. Durch Beachtung dieser wenigen Ratschläge spart der Auskunftheischende sieh doppelte Mühe und vor ,allem Zeit, die bei den großen Entfernungen sehr erheblich ins Gewicht fällt.

Voigt.

3. S. von Säugetieren und übrigem zoologischem Material. Die Kenntnis des Wildes unserer Schutzgebiete ist die Vorbedingung für einen wirksamen Schutz dieser Bestände, für die Möglichkeit, auch kommenden Geschlechtern eine weise Ausbeutung der durch sie gegebenen, sehr beträchtlichen Einnahmequellen zu wahren. Alle Schutzmaßregeln, welche die Ausrottung der Arten verhindern sollen, sind ungenügend, solange man nicht die Verbreitung, die Brunft- und Satzverhältnisse, die Lebensweise und die Abänderungen innerhalb der einzelnen Rassen klar erkannt hat. Darüber werden wir nur durch Vergleichung hinreichender Mengen von Schädeln, Gehörnen, Fellen und Knochengerüsten der einzelnen Arten aus möglichst verschiedenen Gebieten ein richtiges Bild gewinnen können. Die einzige deutsche Sammlung, in der ein. genügender Stamm solcher Beweisstücke wissenschaftlich geordnet vorhanden ist, befindet sich im Zoologischen Museum zu Berlin. Keine andere deutsche oder ausländische Sammlung verfügt auch nur annähernd über ähnlich vollkommene Vergleichsmengen. Und trotzdem bedarf diese große Sammlung zu ihrer einigermaßen ausreichenden Vervollständigung der Mitarbeit unserer Jäger in den Schutzgebieten aufs dringendste. Aus jedem Gebiete sind noch Beweisstücke aller Art sehr notwendig und willkommen. Jeder Schädel selbst der gewöhnlichsten Arten ist willkommen, jedes Gehörn, jedes Fell, wenn nur der genaue Fundort angegeben ist. Jede Säugetierart ist in den einzelnen Gegenden seines Verbreitungsbezirkes durch besondere Rassen vertreten, sie kennen zu lernen wird nur dadurch ermöglicht, daß möglichst viele Vergleichsstücke aus möglichst verschiedenen Gegenden der Berliner Sammlung zugeführt werden. Man glaube nicht, daß irgendeine Art schon genügend bekannt ist. Wer seine Beobachtungen und von seiner Jagdbeute diejenigen Stücke, an welche keine eigenen Erinnerungen geknüpft sind, der Wissenschaft darbietet, wird eine Befriedigung dadurch empfinden, daß er zur Vermehrung der Kenntnis des Wildes beiträgt.

Matschie.

Wer, abgesehen von den Säugetieren, ein für tiergeographische Forschung brauchbares Material beschaffen will, darf sich nicht darauf beschränken, alles das einzusammeln und mitzunehmen, was er auf seinen Ausflügen sieht. Was frei umherfliegt und umherkriecht, wurde, wenn es eine bestimmte Größe überschreitet, sicher schon früher gefunden und heimgeschickt. Wer Neues und Interessantes bieten will, muß das versteckt lebende Getier, namentlich das versteckt lebende Kleingetier zu bekommen suchen. Es ist das keineswegs so schwierig, wie man wohl glaubt. Auch der Laie kann dabei sehr wohl mitwirken. Es gibt nämlich zahlreiche Geräte, die, passend angewendet, auch das versteckt Lebende liefern. Ja, man kann diese Geräte sogar von Eingeborenen in geeigneter Weise anwenden lassen, wenn man ihnen nur genau auf die Finger sieht. Brauchbare Geräte sind z. B. der Streifsack, mit dem man auf dem Lande niedere Pflanzen, im Süßwasser feinblättrige Wasserpflanzen abstreifen läßt, der Regenschirm, den man umgekehrt hält um Zweige des Gesträuches über ihm abschütteln und abklopfen zu lassen, das Käfersieb, mit dem man trockenes Laub und Genist aussieben läßt. Man muß nur darauf halten, daß alle Tiere bis zum kaum noch sichtbaren gesammelt und in Alkohol gesteckt werden. - Auch die Glasfliegenfalle (s. Aasinsekten mit Abb. der Falle) gehört zu den vorzüglichen Fangapparaten, zumal da sie selbsttätig fängt. Die Hauptsache bei Anwendung aller dieser Geräte ist der Grundsatz, sie an möglichst verschiedenen Orten in Anwendung zu bringen, nicht nur an Orten, die besonders reich an Tieren sind und den Sammler leicht verleiten, nur sie zu berücksichtigen. Antierarmen Punkten ist bisweilen jedes Stück, das man findet, wertvoll. - Die Regel, an möglichst verschiedenen Orten zu sammeln, gilt für alle Tiere, sogar für die Vögel. Man bekommt fast durchweg verschiedene Vogelarten, wenn man einerseits in der Nähe menschlicher Wohnungen, dann in der Pflanzung, dann am Meeresstrande, auf sumpfigem Gelände, im offenen, trockenen Grasland, in einer Waldschlucht, im ausgedehnten Urwald usw. schießt. - Als zweites Forschungsgebiet, an dem ebenfalls der Laie sehr wohl teilnehmen kann, ist die Biologie (die Lehre von der Lebensweise der Tiere), zu nennen. Man kann, um nur ein Beispiel zu nennen, leicht zur Erforschung des Brutgeschäfts der verschiedenen Vögel beitragen, wenn man sich Nester mit Eiern, möglichst in natürlicher Anheftung von Eingeborenen bringen läßt. Da die Eingeborenen recht wohl wissen, welcher Vogelaxt das Nest gehört und für die verschiedenen Vogelarten ihre Namen haben, braucht man sich nur die Namen der verschiedenen Vogelarten zu merken. Bei der Erforschung der Lebensweise gilt vor allem die Regel, planmäßig vorzugehen und unvollständige Beobachtungen durch Wiederholung zu vervollständigen. Auch über die Beobachtung der Lebensweise gibt es kleine Lehrbücher, welche die Richtlinien angeben (z.B. F. Dahl, Anleitung zu zoologischen Beobachtungen, Leipzig 1910). - Ein drittes Gebiet der Z. bilden die anatoinischen und entwicklungsgeschichtlichen Forschungen. Sie können allenfalls an einem gut konservierten Material in Deutschland vorgenommen werden, wenn manches auch besser an Ort und Stelle untersucht werden kann. Man sollte überhaupt den schon vor Jahren gefaßten Plan, in unseren Kolonien kleine zoologische Stationen zu errichten, nicht aus dem Auge verlieren. Sehr erwünscht wäre es z.B., daß an einem Punkt der Südsee eine Station errichtet würde, in welcher das Korallenriff gründlich von Spezialisten studiert werden könnte. Auf Anregung von A. Dohrn in Neapel wurde schon im Jahre 1896 mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Akademie der Wissenschaften in Ralum auf Neupommern eine kleine Station ins Leben gerufen, und es konnte sich dort ein Zoologe (Dahl) ein Jahr lang aufhalten. Leider ist die Station und der ganze Plan. später wieder in Vergessenheit geraten, obgleich sich die Gazellehalbinsel wegen ihres Tierreichtums und ihres gesunden Klimas als besonders für eine Dauerstation geeignet erwies. Aus einer solchen Station könnte auch die in unseren Kolonien noch sehr im argen liegende Seefischerei bedeutende Vorteile ziehen. Mit der allgemeinen zoologischen Erforschung des Landes könnte man sehr wohl auch das Praktische, die Untersuchung über das Leben und die Bekämpfung der Pflanzenschädlinge(s.Entomologie)verbinden. DerNutzen und die, Notwendigkeit derartiger Stationen würde dann vielleicht klarer zutage treten. Ergibt sieh ein praktischer Nutzen der abstrakten Wissenschaft doch oft erst nach sehr langer Zeit.

Dahl.

4. S. von ethnographischen Objekten und Be obachtungen. Die Kenntnis des Kulturbesitzes der Eingeborenen unserer Schutzgebiete ist nicht nur rein wissenschaftlich als Beitrag zur Erschließung der Kulturgeschichte der Mensch heit und des kulturgeschichtlichen Zusammen hanges ihrer einzelnen Teile nötig, sondern ist auch für die praktische Kolonialpolitik von einem Nutzen, -der nicht unterschätzt werden darf. Ein richtiges Verständnis des Wesens der Eingeborenen und ihrer Kultur gibt uns die beste Möglichkeit an die Hand, ihnen unter den veränderten Verhältnissen ihres Daseins nach Möglichkeit gerecht zu werden und sie zu höheren Kulturanschauungen und -aufgaben zu erziehen, während eine Ver nachlässigung dieser Kenntnis die Erreichung der genannten Ziele nicht nur unnötiger weise verzögert, sondern auch zu Fehl griffen der kolonisatorisch tätigen Kräfte führen kann, die sich unter Umständen bitter rächen und mehrfach auch gerächt haben. - Wie die Dinge liegen, ist es schon aus finan ziellen Gründen nicht möglich, die völker kundliche Erforschung der Schutzgebiete aus schließlich durch Fachleute vornehmen zu lassen, sondern es bedarf dazu auch der Mit arbeit interessierter Kolonisten. In erster Linie kommen hierfür naturgemäß Personen in Frage, die sich auf Grund ihres Berufes, durch langjährigen Aufenthalt und durch näheren Verkehr mit den Eingeborenen (Missio nare, Regierungsbeamte u.a.) die unerläßlichen Vorkenntnisse innerhalb ihres Wirkungsbe reiches verschafft haben. - In den meisten F ällen wird sich die Mitarbeit von Nichtfach leuten auf das Anlegen von Sammlungen materieller Kulturgegenstände beschrän ken. So einfach diese Sammeltätigkeit er scheint und so beliebt sie bereits ist, wird sie in Wirklichkeit leider nur in den wenigsten Fällen in nutzbringender Weise geübt. Ein systemloses Aufkaufen zufällig auf der Durchreise angebotener Gegenstände liefert nur eine Sammlung von "Kuriositäten", die wohl für den persönlichen Hausbedarf als Erinnerungszeichen einigen ideellen Wert haben mögen, für wissenschaftliche Sammlungen aber in der Regel wenig in Frage kommen können. Eine Sammlung, die einigermaßen auf wissenschaftliche Brauchbarkeit Anspruch erheben will, hat vielmehr besonderen Anforderungen zu genügen. Zunächst sind solche Gegenstände zurückzuweisen, die in Material und Farbe ohne weiteres den Einfluß der europäischen Kultur verraten. Weiterhin legen viele Sammler nur Wert darauf, möglichst in die Augen fallende "Prunkstücke" zu erwerben. Damit sind aber die wissenschaftlichen Sammlungen gewöhnlich übergenug ausgestattet. Für sie kommt es vielmehr darauf an, die Kultur eines Gebietes möglichst in ihrem ganzen Umfang zu erhalten, d.h. nicht nur die Prunkstücke, sondern auch die unscheinbarsten alltäglichen Gebrauchsgegenstände und solche, die erst bei Bedarf hergestellt werden. Um diese zu sammeln, bedarf es eines guten Blickes, der in die Handtaschen und die Winkel des Hauses dringt und das Leben der Eingeborenen zu beurteilen versteht. Zu jedem Gegenstand ist seine Gebrauchsanweisung, seine Herstellungsweise und, wenn es ohne Gefahr von Mißverständnissen geschehen kann, sein genauer einheimischer Name zu ermitteln. Nicht zu vergessen ist auch die Feststellung, ob das Objekt am Orte selbst hergestellt o der eingeführt wird und, wenn- das letztere der Fall ist, welches der Herkunftsort ist. Die aufgenommenen Notizen sind möglichst bald in ein ausführliches laufendes Verzeichnis unter Angabe von Ort (genau!) und Datum der Erwerbung einzutragen und die Gegenstände mit den dem Verzeichnis entsprechenden Nummern zu versehen. Gute Zeichnungen und Photographien über Leben und Treiben der Eingeborenen, die Verwendung der gesammelten Gegenstände, über Hausbau, Dorfanlage, Verkehrsmittel u.a., erhöhen den Wert einer Sammlung. Unter Beobachtung dieser Gesichtspunkte kann auch der Laiensammler Ersprießliches leisten, wenn auch damit noch keineswegs eine umfassende Darstellung der materiellen Kultur eines Gebietes gewährleistet ist. Auf alle Fälle tut der Laie gut, sich noch mit einem Museum für Völkerkunde (s.d.) in Verbindung zu setzen, um sich nähere Instruktionen zu holen. Das ist besonders auch mit Rücksicht auf die Erlangung von Formen gut, die dem betreffenden Kulturgebiet als Seltenheiten eigentümlich sind, ebenso mit Rücksicht auf die Feststellung des Fehlens von Gegenständen, die man nach ihrem Vorkommen in Nachbargebieten eigentlich auch hier erwarten könnte. - Weit schwieriger für den Nichtfachmann ist die Erkundung des geistigen Kulturbesitzes eines Volkes (Sprache, soziologische und rechtliche Verhältnisse, Lieder, Märchen und Sagen, Religion, geschichtliche Überlieferungen) schon deshalb, weil er in seiner Struktur wesentlich anders geartet ist als der unsrige. Ohne entsprechende ethnologische Vorkenntnisse und ohne innige Fühlung mit Eingeborenen, die bis zu beiderseitigem Vertrauen gediehen ist, können die Ergebnisse auf diesen Gebieten nur mangelhaft und schief sein und dazu der Sache der Wissenschaft mitunter mehr schaden als nützen. Von Männern, die für solche Aufgaben in Frage kommen, haben Regierungsbeamte und besonders noch Missionare manche recht schöne Erfolge aufzuweisen, die der Nachahmung wert sind. Dabei haben sich aber besonders die Missionare beim Studium der einheimischen Religion unbedingt von mancherlei christlichen Vorurteilen frei zu machen, die sonst ihre Ergebnisse stark beeinträchtigen und wissenschaftlich nicht einwandsfrei gestalten können. Auch auf diesem Gebiet ist daher eine Verbindung mit den '.Museen in der Heimat höchst anzuraten, die Interessenten gern mit Auskunft und Literatur an die Hand geben. Über die verschiedenen Fragen der allgemeinen Völkerkunde (Ethnologie) gibt dies Lexikon unter den entsprechenden Artikeln, denen auch Literaturangaben beigefügt sind, kurze Auskunft.

Sarfert.

Literatur: Zu 1: v. Neumayer, Anleitung zu wissenschaftlichen, Sammlungen und Beobachtungen auf Reisen, Hannover. - Zu 2: Dr. G. Bitter Beck von Mannagetta, Hilfsbuch für Pflanzensammler. Leipzig 1902 (Engelmann). - Zu 3: F. Dahl, Kurze Anleitung zum wissenschaftlichen Sammeln und zum Konservieren von Tieren. 3. Aufl., Jena 1914. - Zu 4: Ankermann, Anleitung zum ethnologischen Beobachten und Sammeln. Hgg. im Auftr. des Generaldirektors der kgl. Museen zu Berlin. Berlin 1914