Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 436

Süd - Njansa, Apostolisches Vikariat. Von Uganda aus wurde schon 1883 mit dem Missionswerke begonnen, doch war der Erfolg spärlich. Speziell im Gebiete von Bukumbi hatten die Weißen Väter (s.d.) 20 Jahre, hindurch kaum Erfolge; dort starb 1891 der bekannte Missionar Schynse (s.d.). Vielfach waren die Häuptlinge am Mißlingen schuld. Seit dem Vordringen der deutschen Herrschaft wurden die Ergebnisse besser, besonders in Ukerewe. Dort haben die Missionare auch schon 600 Familien für den Baumwollbau gewonnen. Das Vikariat, das schon seit 1883 als solches besteht, nimmt den Norden der Kolonie ein; im Osten führt die Grenze vom 36. Grad südlich zwischen dem 2. und 4. Grad s. Br. zur Westgrenze, doch ist kürzlich der Ruandabezirk als eigenes Vikariat Kiwu (s.d.) abgezweigt worden. Infolgedessen umfaßt es jetzt nur 13 Stationen (Bukoba, Marienberg, Bwanja, Kagondo, Rubia, Katoke, Muansa, Bukumbi, Ukerewe, Marienhof, Kome, Nyegina, Tsumwe). Mitte 1913 betrug die Summe der Missionsfrucht 10 244 Christen und 7406 Katechumenen. In den 97 Schulen befinden sich 2010 Knaben und 688 Mädchen. 117 Katechisten stehen den 36 Priestern, 15 Brüdern treu zur Seite. Das Katechistenseminar mit 99 Schülern in Rubia sorgt für Nachwuchs; das ebenda bestehende Priesterseminar mit 10 Theologen ist als einzige höhere Schule in den afrikanischen Kolonien besonders erwähnenswert. Um die Eingeborenen zur Arbeit zu erziehen, hält die Mission streng an dem Grundsatz fest, den Negern nichts umsonst zukommen zu lassen. Von dem caritativen Wirken sprechen 20 Wohlfahrtsanstalten, in denen besonders die Weißen Schwestern wirken (s.d.); 141 667 Kranke wurden 1913 verpflegt.

Literatur: Stimmen aus den Missionen, 77. Fulda 1912. - Afrikobote. Trier, fortlaufend, besonders 1912, 267 ff. - Schwager, Die Kath. Heidenmission der Gegenwart, II, 193 ff. Steyl 1908. - Schmidlin, Die kathol. Missionen. Münster 1913, 145 ff. - Mirbt, Mission und Kolonialpolitik. 40, Tübingen 1910, - Huch, Bis an die Enden der Erde, II, 118 ff. Franken stein 1903. - Streit, Missionsatlas, 19. Steyl 1906.

Schmidlin.