Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 185 f.

Rotz, ansteckende, durch den R.bazillus verursachte, in der Regel schleichend, seltener schnell verlaufende Krankheit des Pferdes und der übrigen Einhufer (Esel, Maultiere und Maulesel). Die Ansteckung geschieht unmittelbar von kranken Tieren auf gesunde oder durch Zwischenträger (Stallgeräte, Zaumzeuge, Bespannungsgeschirre, Sättel, Putzzeuge, Futter, Streu usw.). Außer auf Einhufer kann der R. auf Katzen und auf die zu den Katzen gehörigen Raubtiere, ferner auf Hunde und Ziegen übertragen werden. Auch der Mensch ist beim Umgang mit rotzigen Tieren der Gefahr der Ansteckung ausgesetzt. Beim schleichend verlaufenden R. können die Tiere wochen-, monateund jahrelang mit der Krankheit behaftet sein, ohne daß auffällige Krankheitserscheinungen hervortreten. Im übrigen sind die Krankheitserscheinungen verschieden, jenachdem es sich um Nasen- oder Haut - R. handelt. Zu den Merkmalen des Nasen - R. gehören: Nasenausfluß, Knötchen und Geschwüre der Nasenschleimhaut und derbe, schmerzlose Schwellung der im Kehlgang gelegenen Lymphdrüsen. Der Nasenausfluß ist entweder einseitig oder doppelseitig, anfangs schleimig und grau oder weiß, später mehr eitrig und gelbgrünlich oder mißfarbig. Zeitweise kann der Nasenausfluß auch eine blutige Beschaffenheit haben. Beim Haut - R. treten Knötchen und Geschwüre in der Haut, häufiger aber bis walnußgroße und größere Knoten und Beulen unter der Haut auf, die nach kurzer Zeit erweichen, nach außen durchbrechen und Geschwüre bilden, aus denen sich eine zähe, dünne, mißfarbige, häufig blutige Flüssigkeit entleert. Die Ränder der Geschwüre sind aufgewulstet und ausgenagt und zeigen keine Neigung zur Heilung. Von den Geschwüren verlaufen strangförmige Anschwellungen (entzündete Lymphgefäße) bis zu den nächstgelegenen Lymphdrüsen, die vergrößert und hart sind. Außerdem können schmerzlose und sehr derbe Anschwellungen der Haut auftreten (sog. Elefantiasis, s. Filarien) und Husten sowie Atembeschwerden (Kehlkopf- und Lungen - R.), ferner zeitweiliges Nasenbluten bestehen. Bei längerer Dauer der Krankheit magern die Tiere ab, ermüden rasch beim Gebrauch und lassen eine rauhe, wie aufgebürstete Beschaffenheit des Haarkleides erkennen. Beim akuten R. zeigen die Tiere das Bild einer schweren, fieberhaften Erkrankung. Die Krankheit beginnt mit Schüttelfrost und hohem Fieber. Sodann zeigen die erkrankten Tiere schleimigen, eitrigen, später blutigen oder jauchigen Nasenausfluß, Knötchen oder Geschwüre in der Nasenschleimhaut, angestrengtes und geräuschvolles Atmen, Anschwellung, Knoten- und Geschwürbildung der Haut mit Schwellung und Verdickung der Lymphgefäße und Lymphdrüsen. Beim akuten R. sterben die Tiere durchschnittlich nach Verlauf von 3 - 14 Tagen. Als Hilfsmittel zur Erkennung des schleichend verlaufenden R. dienen das Mallein, die Agglutination und Komplementbindung (s.d.). Der R. unterliegt im Deutschen Reiche und in den Kolonien der Anzeigepflicht und veterinärpolizeilichen Bekämpfung. - Besondere Beachtung verdient der R. dadurch, daß er auf den Menschen übertragbar ist. Menschen, bei denen Absonderungen rotziger Tiere in verletzte Hautstellen, in das Auge, in die Schleimhaut der Nase oder des Mundes gelangen, können an R. erkranken. Die Krankheit äußert sich bereits nach 3 - 5 Tagen durch Anschwellung der angesteckten Stelle und der in der Nähe gelegenen Lymphgefäße und Lymphdrüsen. Personen, die sich mit R. infiziert haben, müssen sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

v. Ostertag.