Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 179 f.

Rizinus (Rißinus communis u.a.), eine zu den Wolfsmilchgewächsen gehörende, wahrscheinlich in Afrika in mehreren Arten heimische, mehrjährige Staude von ansehnlichem, pyramidalem Wuchs mit großen, langgestielten, gelappten Blättern und teils endständigen, teils seitlichen Blütenrispen. Die Frucht ist eine aufspringende, dreiteilige Kapsel. Sie enthält in jedem Fach einen länglichen, auf der einen Seite gewölbten, auf der Gegenseite schwach dachig abgeflachten Samen mit einem weichen Nabelwulst am Grunde, die sog. R.bohne. Die Größe und Farbe der Bohnen wechselt sehr. Die kleinen Sorten sind etwa 10 mm lang, die Breite beträgt ein Drittel der Länge. Die Farbe wechselt von Grau bis Dunkelbraunschwarz mit scheckigen, entweder dunkler oder heller gefärbten Zeichnungen. Die äußere bunte Schicht läßt sich leicht herunterschaben. Die Bohne hat dann ein gleichmäßiges graubraunes Aussehen. Die Samen des R. liefern das bekannte, medizinisch und technisch viel verwertete Röl. Die Pflanze fehlt wohl in keinem tropischen Gebiet und geht als Zierpflanze bis in die gemäßigten Zonen. Hier wird sie dann einjährig gezogen. Selbst wo die Kultur in den Tropen zurzeit nicht betrieben wird, findet man die R.staude vielfach verwildert aus alten Anpflanzungen. Die Kultur ist sehr einfach. Die Pflanze wird aus Samen gezogen und bedarf zu einer guten Entwicklung eines unkrautfreien, tiefgründigen, durchlässigen und nährstoffreichen Bodens. Nach etwa 1/2 Jahr kann man auf den Anfang der Ernte rechnen. Sie erstreckt sich auf mehrere Monate. Man findet die R. in den Tropen auch vielfach als Heckenpflanze, da sie insektenwidrig ist. Die Eingeborenen bauen fast überall R. und nutzen das Öl sowie die Preßrückstände. Diese können wegen ihrer Giftigkeit als Futter nicht benutzt werden, sind aber ein wertvoller Dünger. Der Überschuß der Ernte geht in europäische Ölmühlen, die namentlich in Südeuropa und Rußland R.öl schlagen. Hamburg importierte 1912 4500 t R.samen für 1 Mill. M fast ausschließlich aus Britisch - Ostindien, von denen gut zwei Drittel im wesentlichen nach Rußland wieder ausgeführt wurden. Die Einfuhr von R.öl nach Deutschland betrug 1912 8500 t für 5 Mill. M Das Öl kommt zum größeren Teil über England, wahrscheinlich zu einem beträchtlichen Teil aus Ostindien. Da in Deutschland nur noch wenig R.öl geschlagen wird, so käme ein Export der Samen aus den Kolonien nur für den Transithandel in Frage, das Öl könnte dagegen bei dem Bedarf Deutschlands guten Absatz finden. Wichtiger erscheint noch der Anbau von R. für die Kolonien selbst zu sein, und zwar in erster Linie wegen des hohen Düngewertes der Ölkuchen, die in Englisch- und HolländischIndien allgemeine Verwendung finden und sogar in Europa als Dünger für Weinberge gebraucht werden. Das gewonnene Öl kann als Schmieröl für die Eisenbahnen und maschinellen Anlagen meist gut untergebracht werden. In geringem Umfange eignen sich die Samen von besonders ansehnlichen Sorten und Arten auch für den Export zur Verwendung in der Ziergärtnerei.

Voigt.