Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 129 ff.

Raubtiere, Carnivora, Ordnung der Säugetiere. Sie haben Krallen an den Zehen, im Ober- und Unterkiefer je 6 Schneidezähne und dahinter jederseits einen großen Eckzahn, außer bei der Zibethyäne, Proteles. Man unterscheidet 8 Familien: Katzen, Felidae; zibetkatzenartige Tiere, Viverridae; Zibethyänen, Proteleidae; Hyänen, Hyaenidae; Hunde, Canidae; Bären, Ursidae; Waschbären, Procyonidae; Marder, Mustelidae. In den afrikanischen Schutzgebieten sind Bären und Waschbären nicht vertreten, von marderartigen Tieren nur der Bandiltis, Kappeniltis und Fischotter. In Kiautschou fehlen zibetkatzenartige Tiere, Zibethyänen, Hyänen, Bären, in Neuguinea und in den Schutzgebieten der Südsee alle Familien. - 4 Zehen an den Vorderfüßen haben die Hyänen, die Hyänenhunde, die Fuchsmangusten und die Iltisichneumons. Die Hyänen haben einen abschüssigen Rücken, buschigen Schwanz und dunkle Flecke oder Streifen auf dem Rumpfe oder wenigstens auf den Schenkeln; die Hyänenhunde sind entweder schwarz, weiß und gelb gefleckt oder schwarz mit weißen Flecken und mit weißer Schwanzquaste. Die Ichneumons haben die Gestalt hochbeiniger Marder und sind dunkel oder braun gefärbt; die Fuchsmangusten haben 5 Zehen an den Hinterfüßen. Alle übrigen afrikanischen R. haben 5 Zehen an den Vorderfüßen; 4 Zehen an den Hinterfüßen besitzen die Zibethyänen, Hunde, Katzen und Scharrtiere. Der Rumpf der Zibethyänen ist dunkel gestreift, die Hunde haben eine längliche Schnauze, buschigen Schwanz und Krallen, die nicht zurückgezogen werden können; die Katzen haben einen runden Kopf, anliegend behaarten Schwanz und zurückziehbare Krallen. Nur bei den Geparden sind die Krallen nicht ganz zurückziehbar; diese Tiere haben auf dem Nacken eine kurze Mähne, sehr lange Beine und schwarze, nicht in Gruppen angeordnete Flecke auf dem Körper. Die südwestafrikanischen Scharrtiere haben die Größe einer Manguste, helle und dunkle Querbinden auf dem. Rücken und sehr lange Krallen an den Vorderfüßen. 5 Zehen an allen Füßen haben die zibetkatzenartigen Tiere außer den Scharrtieren, Iltisichneumons und Fuchsmangusten und den marderartigen Tieren. Die zibetkatzenartigen Tiere sind entweder gestreift oder gefleckt, und ihre Unterseite ist nicht dunkler als die Oberseite. Wenn diese schwarz oder dunkelbraun ist, sind die Ohren deutlich entwickelt. Unter den marderartigen Tieren haben die Fischotter Schwimmhäute, die Honigdachse sehr verkümmerte Ohren und Inge Krallen an den Vorderfüßen, die Bandiltisse und Kappeniltisse helle Längsbinden auf dem Rücken. - Die in Kiautschou lebenden R. sind den deutschen Arten etwas ähnlich, wie der Fuchs, Dachs, Nörz, Iltis und die Wildkatze, nur der Viverrenhund oder Tanuki ist eigentümlich (s. Obstfuchs). Viele R.arten werden als Geflügel- und Haustierräuber lästig oder für die Jagd schädlich, sie spielen aber andererseits dadurch eine wichtige Rolle, daß sie viele kranke oder schwächliche Tiere vernichten und so verhindern, daß diese ihre minderwertigen Eigenschaften vererben. Wo viel Wild ist, gibt es gemeiniglich auch viele R. Man vertilge sie nur dort, wo sie wirklich beträchtlichen Schaden tun. S.a. die einzelnen Raubtiere unter den sie betreffenden Artikeln.

Matschie.